Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2003

Zusätzliches

28.01.2003:
Werkschau von Yasujiro Ozu

Anlässlich des 100. Geburtstags des japanischen Regisseurs Yasujiro Ozu am 12. Dezember 2003 widmen die 53. Internationalen Filmfestspiele Berlin dem großen Meister eine Werkschau. Der 1963 verstorbene Filmemacher zählt zu den international renommiertesten Leitfiguren des japanischen Kinos. Seine Werke beeinflussten Filmemacher wie Paul Schrader, Hou Hsiao Hsien oder Wim Wenders.

In vielen seiner Filme thematisierte Ozu das Verhältnis innerhalb der Familie. Im Laufe der Zeit reduzierte er zunehmend die Mittel seiner Filmsprache und ersetzte Schwenks oder Fahrten durch starre Einstellungen. An der Kamera, die er stets in Augenhöhe eines auf dem Boden Sitzenden positionierte, akzeptierte er nur ein 50-mm-Objektiv. Zu Ehren des japanischen Altmeisters präsentiert die Berlinale neun seiner Filme, die als Sondervorführung im Offiziellen Programm sowie im Forum, Panorama und der Retrospektive gezeigt werden.

Zum Auftakt ist im Berlinale Palast mit Tokyo Monogatari (Tokyo Story) aus dem Jahre 1953 eines seiner berühmtesten Werke zu sehen. Ein altes Ehepaar besucht seine Kinder in Tokio, die sich bald in ihrem Alltag gestört fühlen. Nach dieser schmerzvollen Erfahrung treten die alten Menschen die Heimreise an, bei der die Mutter zusammenbricht. Die Kinder eilen an ihr Sterbebett und teilen den Besitz auf.

Mit dem Sujet „eine Familie - zwei Welten“ beschäftigte sich Ozu schon 1932 in Umarete Wa Mita Keredo (I was Born, But). Zwei halbwüchsige Jungen lehnen sich gegen ihren Vater auf, als sie bemerken, wie devot er vor seinem Chef auftritt.

Von der Existenz seines Sohnes wird ein Wanderschauspieler in Ukigusa monogatari (A Story of Floating Weeds) (1934) überrascht, den Ozu 1959 unter dem Titel Ukigusa erneut verfilmte.

In Banshun (Late Spring) (1949) arbeitete Ozu zum ersten Mal mit seiner Lieblingsschauspielerin Setsuko Hara zusammen, die nicht heiraten, sondern bei ihrem Vater leben möchte.

Diese Thematik griff Ozu 1950 in Bakushu (Early Summer) wieder auf. Durch die geplante Hochzeit der Tochter drohen die Familienbande auseinander zu brechen.

Mit Soshu (Early Spring) kehrte Ozu 1956 zu den Personen seiner Vorkriegsfilme zurück. Ein kleiner Angestellter, der seine Frau und die Arbeit satt hat, beginnt ein Verhältnis mit einer Kollegin.

1958 entstand Ozus erster Farbfilm Higanbana (Equinox Flower), der die rebellierende jüngere Generation zeigt. Eine Tochter verlobt sich gegen den Willen ihres Vaters mit dem Mann ihrer Wahl.

Einen ironischen Blick auf die strengen japanischen Sitten warf Ozu 1959 in Ohayô (Good Morning). Zwei Jungen betteln um einen Fernseher. Der Vater will ihnen diesen Wunsch erfüllen, wenn sie endlich schweigen. Doch ihre Stille sorgt für Tumult im ganzen Dorf.

Mit Late Autumn drehte Ozu 1960 ein Remake von Late Spring. Eine Tochter schlägt alle Heiratsanträge aus, da sie bei ihrer verwitweten Mutter bleiben will.

Nach der Berlinale wird die Werkschau, die in Kooperation mit dem japanischen Rechteinhaber Shochiku Co. Ltd., der Japanischen Botschaft in Berlin sowie dem Japanischen Kulturinstitut in Köln initiiert wurde, auf weiteren internationalen Festivals wie Hongkong oder New York fortgeführt. Eine ausführliche Retrospektive mit Ozus Filmen läuft ab Februar 2003 im Arsenal-Kino in Berlin.

28. Januar 2003