Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2003

Zusätzliches

28.01.2003:
Vom Kaukasus nach Moskau

Mit dem Neuen Russischen Kino stellt die Berlinale einige Nachwuchstalente des osteuropäischen Filmschaffens vor.

Zum Selbstverständnis der Berlinale gehört seit jeher der Blick auf das osteuropäische Filmschaffen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und den gesellschaftlichen Umwälzungen in ganz Osteuropa bietet sich Filmemachern eine Vielfalt von Themen, die aus dem veränderten Erleben der Gegenwart schöpfen und interessante Impulse für das zeitgenössische Kino versprechen. Mit dem Programm Neues Russisches Kino, das im Rahmen des Berlinale Talent Campus zu sehen ist, soll die Aufmerksamkeit in diesem Jahr dem russischen Nachwuchs gelten. Gerade an den Arbeiten junger Regisseure lässt sich ablesen, welche Fragen und Konflikte eine Gesellschaft beschäftigen. Dabei zeigen die Arbeiten der jungen russischen Filmemacher ganz unterschiedliche Ansätze – sowohl in der Wahl der erzählerischen Form als auch in der Art der gewählten Themen.

Eröffnet wird die Reihe Neues Russisches Kino mit The Suit (Shik), dem neuen Film von Bakhtijar Khudojnazarov. Khudojnazarov, bekannt durch seinen letzten Film Luna Papa, ist einer der renommiertesten jüngeren Regisseure Russlands. Wie Luna Papa entstand auch sein jüngster Film in Koproduktion mit dem deutschen Produzenten Karl Baumgartner (Pandora). Khudojnazarovs Filme sind spezifisch osteuropäisch geprägt, gleichzeitig aber einem westlichen Publikum zugänglich. The Suit erzählt die Geschichte dreier Freunde auf der Jagd nach einem guten Anzug. Als sie ein einziges teures Designerstück ergattern, beginnt erst das wahre Abenteuer um Liebe und Freundschaft.

Ein zweiter Spielfilm handelt von den Folgen des Krieges in Tschetschenien. In seinem kammerspielartigen Debüt Kavkazskaja Rouletka (Caucasian Roulette) erzählt Fjodor Popov die Geschichte einer ehemaligen Frontkämpferin und einer Mutter, deren Sohn in tschetschenischer Kriegsgefangenschaft sitzt.

Schließlich stellt das Programm auch eine Reihe von Kurzfilmen vor. Vier der fünf Filme sind in der legendären Moskauer Talentschmiede VGIK entstanden, der eine Reihe renommierter Regisseure entstammen. Präsentiert werden Dokumentationen, Animationen und kurze Spielfilme. Neben einer Videodokumentation über tschetschenische Kinder, die durch Moskau reisen, wird etwa der Kurzfilm Fabula gezeigt, eine Geschichte über eine fast tödliche Liebe zum Kino.

Auch das Fernsehen wird mit beispielhaften Produktionen vertreten sein. Zwei Episoden der Erfolgsserie Brigade, eine Art russischer Variante der Sopranos, erzählen von Aufstieg und Fall eines Quartetts, das im postkommunistischen Russland sein Glück mit dubiosen Geschäften sucht. Ebenfalls zu sehen: das neue Fernsehformat Spisok Vlublennih RF (Die Liste der Liebenden der russischen Föderation), das junge Filmemacher einlädt, je eine fiktionale Episode zum Thema „Liebe“ zu drehen.

Zu Ehren des jungen russischen Schauspielers und Regisseurs Sergei Bodrov, jun. zeigt die Berlinale einen Film, mit dem Bodrov weltweit bekannt wurde: Kavkazskij Plennik (Gefangen im Kaukasus/Prisoner of the Mountains). Bodrov, einer der Protagonisten des neuen russischen Kinos, ist im Herbst vergangenen Jahres bei Dreharbeiten tödlich verunglückt.

Alle Filme der Reihe Neues Russisches Kino laufen vom 9. bis 13. Februar jeweils um 20 Uhr im Haus der Kulturen der Welt und werden tags darauf im CinemaxX 6 wiederholt.

28. Januar 2003