Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2002

Retrospektive

14.12.2001:
Retrospektive 2002 - European 60s „Revolte, Phantasie & Utopie“

Protest, Aufbruch, Abschied vom Gestern, Junger Film & Nouvelle Vague. Das sind auch Synonyme für eine kulturelle und politische Bewegung, die weite Teile Europas in den 60er Jahren, den "Sixties", dominierte. Dem europäischen Kino dieser Jahre spürt die filmhistorische Retrospektive der 52. Internationalen Filmfestspiele Berlin (6.-17. Februar 2002) nach. Unter dem Titel "European 60s. Revolte, Phantasie & Utopie" präsentiert die Retrospektive, vom Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek konzipiert und organisiert, etwa 60 Filme aus West- und Osteuropa: Filme von "Autoren" genauso wie Beispiele der trivialen und populären Filmgenres, etwa des Italowesterns, die das Kino dieses politisch und kulturell bewegten Jahrzehnts prägten. Filmklassiker finden sich neben zahlreichen Wiederentdeckungen, Filmen, die nur "für den Augenblick" gemacht schienen, und Produktionen, die Opfer staatlicher Zensur wurden. "Die Retrospektive dokumentiert damit ein Stück jüngerer Filmgeschichte und berührt gleichzeitig eine politisch-kulturelle Aktualität, die eine ganze Generation betrifft und der wir uns heute - unter anderen Vorzeichen - stellen müssen", sagte der neue Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.

Zum kollektiven Gedächtnis der 60er Jahre gehören Bilder vom Prager Frühling und vom Pariser Mai 68. Europa wandelte sich. Die Physiognomien der Gesellschaften und ihrer Lebenswelten nahmen neue Konturen an. Jugendliche Subkulturen waren das Thema der Medien. Die einsetzende Globalisierung der Entertainment-Fabriken, besonders im Film- und Musikbereich, verbreitete ein neues und grenzenloses Lebensgefühl.

Wodurch diese allgemeine Aufbruchstimmung ausgelöst wurde? Worüber sie mit wem stritt? Wie ihr begegnet wurde? Auch davon erzählen jene Filme, die in den 60er Jahren in ganz Europa gedreht wurden. Die Regisseure und Autoren waren zum Beispiel: Jean-Luc Godard, Lindsay Anderson, Alexander Kluge, Dusan Makavejev, Bo Widerberg, Vera Chytilová,;, Michelangelo Antonioni, Jürgen Böttcher, Jerzy Skolimowski, Carlos Saura und Miklós Jancsó. Ein genauer filmhistorischer Blick macht deutlich, dass neben der national jeweils unterschiedlich verlaufenen Geschichte eine ganz andere und tendenziell gesamteuropäische Geschichte der Mentalitäten und des Denkens sich offenbart, in der Gemeinsamkeiten eine viel größere Rolle spielen als Differenzen: vielleicht gibt es ja tatsächlich so etwas wie eine europäische Kulturgeschichte - oder eine "wahre Geschichte" des europäischen Kinos.

Die Retrospektive wird ergänzt und erweitert durch eine umfassende Partnerschaft, die die Berlinale und das Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek mit dem Kulturprogramm 3sat vereinbart haben. 3sat wird mit Beginn der 52. Internationalen Filmfestspiele Berlin unter dem Titel "European 60s" 40 europäische Spielfilme im thematischen Zusammenhang mit der Retrospektive ausstrahlen und so den Programmkontext inhaltlich über ein Jahr weitertragen. Die Retrospektive der Berlinale und das Kulturprogramm 3sat setzen damit gemeinsam einen sichtbaren Akzent inhaltlicher Kooperation im Interesse des europäischen Kinos. Der Vertrag zur Partnerschaft wird am 17. Dezember von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und dem Direktor des Filmmuseums Berlin, Hans Helmut Prinzler, sowie dem Direktor der Europäischen Satellitenprogramme im ZDF, Dr. Gottfried Langenstein, offiziell unterzeichnet.

PREMIERE WORLD, Hauptpartner der Berlinale, begleitet im Rahmen seiner umfassenden Berlinale-Berichterstattung auch die Retrospektive. Im Februar 2002 wird auf mehreren Kanälen eine repräsentative Auswahl europäischer Filme aus den 60er Jahren gezeigt.

Zur Retrospektive erscheint - im Vertrieb der edition text + kritik - ein Buch, in dem sich ein ausführlicher Essay und zeitgenössische Dokumente zu einer Montage fügen und eine Topographie europäischer Filmkultur der 60er Jahre erkennbar werden lassen.

14.12.2001