Everything Will Be Ok

Ein Megalith ragt in der Sandwüste auf, genauer im maßstabsgetreuen Modell einer Sandwüste. „Ich bin das Archiv“, sagt eine Frauenstimme, beunruhigende Streichmusik fesselt die Zuschauer*innen. So werden wir in die narrativ-figurative Sprache jener dystopischen Geschichte des 21. Jahrhunderts eingeführt, die Rithy Panh in verblüffenden Dioramen vor uns ausbreitet. Nach einer Zeit der mörderischen Ideologien und des verheerenden Speziesismus haben die Tiere die Menschen unterworfen und die Weltherrschaft übernommen. Im Sturm des Aufbruchs wurden Denkmäler gestürzt, doch schon werden neue errichtet, um den Volkswillen zu unterdrücken. Ein Planet der Affen, Wildschweine und Löwen – die Revolution eines ganzen Bestiariums, das die Gräuel des 20. Jahrhunderts umkehrt und neu begeht. Tierfiguren sichten die Filmarchive der Menschen: Es wirkt, als wären die Brüder Lumière in einen Film von Georges Méliès oder Willis H. O’Brien geraten. Die Tragödien der Geschichte wiederholen sich bekanntlich als Farce. Die Zeit ist reif für diese Farce, in der „die politische Sprache unsere Träume beherrscht und uns verschlingt“ – mit der Möglichkeit, dass daraus ein „anmutiger und zarter Ungehorsam“ erwächst.
von Rithy Panh Frankreich / Kambodscha 2021 Französisch 98’ Farbe & Schwarz-Weiß Weltpremiere Dokumentarische Form

Stab

RegieRithy Panh
BuchRithy Panh, Agnès Sénémaud, Christophe Bataille, Voice-Over-Autor
KameraRithy Panh, Prum Mesa
MontageRithy Panh
MusikMarc Marder
TonEric Tisserand
SzenenbildSarit Mang
AusstattungToh
RegieassistenzSocheat Cheng
Produzent*inCatherine Dussart
Ausführende*r Produzent*inCatherine Dussart
Koproduzent*inRithy Panh, Fabrice Puchault
KoproduktionAnupheap Production, Phnom Penh
Arte, Issy-les-Moulineaux

Produktion

CDP

Rithy Panh

Geboren 1964 in Phnom Penh, Kambodscha. Auf der Flucht vor dem Regime der Roten Khmer kam er 1980 nach Paris, wo er am IDHEC, der heutigen La Fémis, studierte. Sein Dokumentarfilm S21, la machine de mort Khmére rouge thematisiert die systematische Vernichtungspolitik der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979. Panh ist Mitbegründer des Centre Bophana, das sich der Archivierung des kambodschanischen Filmerbes widmet. Sein Film L’image manquante war 2013 als erste kambodschanische Produktion für den Oscar nominiert. Mit Irradiés war er 2020 im Wettbewerb der Berlinale vertreten und erhielt den Preis für den besten Dokumentarfilm.

Filmografie (Dokumentarfilme)

1989 Site 2 – Aux bords des frontières 1990 Cinéma, de notre temps, Souleymane Cissé 1994 Les gens de la rizière (Rice People) 1995 La famille Tan (Tan Family) 1996 Bophana, une tragédie cambodgienne (Bophana a Cambodian Tragedy) 1997 Un soir après la guerre (One Evening After the War) · 10 films contre 110 000 000 de mines (10 Films Against 110 000 000 Mines) 1998 Van Chan, une danseuse cambodgienne (Van Chan a Cambodian Dancer) 1999 La terre des âmes errantes (The Land of Wandering Souls) 2000 Que la barque se brise, que la jonque s’entrouvre (Let the Boat Break its Back, Let the Junk Break Open) 2002 S21, la machine de mort Khmére rouge (S21: The Khmer Rouge Killing Machine) 2003 Les gens d’angkor (The People of Angkor) 2005 Les artistes du théâtre brûlé (The Artists of the Burnt Theater) 2007 Le papier ne peut pas envelopper la braise (Paper Cannot Wrap Embers) 2008 Un barrage contre le pacifique (Sea Wall) 2011 Duch, le maître des forges de l’enfer (Duch, the Master of the Forges of Hell) · Gibier d’élevage (Shiiku) 2013 L’image manquante (The Missing Picture) 2015 La France est notre patrie (France Is Our Mother Country) 2016 Exil (Exile) 2018 Les tombeaux sans noms (Graves Without a Name) 2020 Irradiés (Irradiated) 2021 Everything Will Be Ok

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2022