Ein Casting mit Männern zwischen 16 und 99. Keine Ausstattung, keine Maske – Improvisationscharakter pur. Gefragt ist die Bereitschaft, sich zu einem Text, seiner Sprache und seinem Thema offen in Bezug zu setzen. Keine geringe Herausforderung, denn es handelt sich um den legendären Skandalroman „Josefine Mutzenbacher oder Die Lebensgeschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt“, der 1906 anonym erschien und bis heute – was sich im Film erneut bestätigt – für kontroverse, leidenschaftliche Diskussionen rund um die Lust sorgt. Pornografische Literatur von Weltrang für die einen, missbräuchliche Darstellung kindlicher Sexualität für andere. In einem hochintelligent arrangierten und experimentierfreudigen Setting, das Analyse und Affekt, Reflexion und Intimität gleichermaßen ermöglicht, überschreiten die Männer die Grenzen des Streitraums Literatur und eröffnen uns und sich selbst Einblicke in den Kosmos von Erotik und Sexualität diesseits und jenseits der Männerfantasie. Ein Film wie ein Experiment im Erfahrungsraum zwischen Imagination und Identität, der das Tabu weder leugnet noch beschwört und deshalb viel erzählt von „#Me“ und nicht zuletzt auch von #MeToo.
von Ruth Beckermann Österreich 2022 Deutsch 100’ Farbe Weltpremiere Dokumentarische Form

Stab

RegieRuth Beckermann
BuchRuth Beckermann, Claus Philipp
KameraJohannes Hammel
MontageDieter Pichler
MusikVALIE EXPORT, Ingrid/monsti Wiener
Sound DesignAndreas Hamza
TonAndreas Hamza
RegieassistenzRebecca Hirneise
Production ManagersRebecca Hirneise, Philipp Diettrich
Produzent*inRuth Beckermann
Ausführende*r Produzent*inRuth Beckermann

Produktion

Ruth Beckermann Filmproduktion

Ruth Beckermann

Die Filmschaffende und Autorin wurde in Wien geboren. Zu ihren Filmen zählen Die papierene Brücke, Jenseits des Krieges und American Passages. Ihr Film Those Who Go Those Who Stay erhielt 2014 den großen Dokumentarfilmpreis auf der Diagonale in Graz. Zwei Jahre später wurde Die Geträumten ebendort als bester Spielfilm ausgezeichnet. Waldheims Walzer erhielt mehrere Preise, u. a. den Glashütte Preis für den besten Dokumentarfilm auf der Berlinale 2018 sowie eine Nominierung für die Oscars. 2019 realisierte Ruth Beckermann die Installation Joyful Joyce für die Salzburger Festspiele.

Filmografie

1977 Arena besetzt (Arena Squatted) 1978 Auf amol a Streik (Suddenly, a Strike); Kurzfilm 1981 Der Hammer steht auf der Wiese da draußen (The Steel Hammer Out There On the Grass); Kurzfilm 1984 Wien retour (Return to Vienna) 1986 Der Igel; Kurzfilm 1987 Die papierene Brücke (The Paper Bridge) 1991 Nach Jerusalem (Towards Jerusalem) 1996 Jenseits des Krieges (East of War) 1999 Ein flüchtiger Zug nach dem Orient (A Fleeting Passage to the Orient) 2001 Homemad(e) 2006 Zorros Bar Mizwa (Zorro’s Bar Mizwa) · Mozart Enigma; Kurzfilm 2011 American Passages 2012 Jackson/Marker 4am; Kurzfilm 2013 Those Who Go Those Who Stay 2015 The Missing Image; Videoinstallation 2016 Die Geträumten (The Dreamed Ones) 2018 Waldheims Walzer (The Waldheim Waltz) 2019 Joyful Joyce; Videoinstallation 2022 Mutzenbacher

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2022