Soleil Ô

Oh, Sun!
Schon die ersten Minuten von Med Hondos Debütfilm beeindrucken mit einer Ideendichte, die diesen Gewinner des Goldenen Leoparden von Locarno heraushebt, selbst aus dem großen Feld des politisch engagierten Kinos der frühen 70er Jahre. Nach einem schwarzhumorigen animierten Intro werden in einer traumhaft-absurden Sequenz die Mittel vergegenwärtigt, mit denen die Kolonialmächte den afrikanischen Kontinent unterworfen haben (Religion, Gewalt, Geld). Erst dann geht es zur eigentlichen Erzählung: der Geschichte eines jungen Mannes, der mit vielen Hoffnungen aus Afrika in Paris ankommt, aber feststellen muss, dass die Gesellschaft der Kolonisatoren ihm keine Chance gibt – wobei der Rassismus brutal direkt oder liberal maskiert daherkommen kann. Ein Film als innerer Monolog mit Cinéma-vérité-Einsprengseln, an Eisenstein geschulter Montage und vielen Momenten sardonischen Humors, die eine tiefe Verzweiflung verbergen.
von Med Hondo
Mit Robert Liensol, Théo Légitimus, Gabriel Glissand, Greg Germain, Mabousso Lô, Alfred Panou, Ambroise M'Bia, Akonio Dolo, Georges Hilarion, Djibrill, Les Black Echoes, Jean Edmond
Frankreich / Mauretanien 1970 Französisch,  Arabisch 104’ Schwarz-Weiß

Mit

  • Robert Liensol
  • Théo Légitimus
  • Gabriel Glissand
  • Greg Germain
  • Mabousso Lô
  • Alfred Panou
  • Ambroise M'Bia
  • Akonio Dolo
  • Georges Hilarion
  • Djibrill
  • Les Black Echoes
  • Jean Edmond

Stab

Regie, BuchMed Hondo
KameraFrançois Catonné, Jean-Claude Rahaga
MontageMichèle Masnier, Clément Menuet
MusikGeorges Anderson
TonJean Paul Loublier, Yves Allard, Alain Contreau
SzenenbildMed Hondo

Zusatzinformationen

Der Film wurde restauriert durch Cineteca di Bologna im Labor L’Immagine Ritrovata in Zusammenarbeit mit Med Hondo. Die Restaurierung wurde finanziert durch die George Lucas Family Foundation und The Film Foundation’s World Cinema Project.

Med Hondo

Geboren 1936 in Atar, Mauretanien. Ende der 1950er-Jahre emigrierte er nach Frankreich, wo er in Paris eine Theatergruppe gründete und sich dem Film zuwandte. Mitte der 1960er-Jahre begann er mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Spielfilm Soleil Ô, der international Aufmerksamkeit erregte. In seinen darauffolgenden Filmen thematisierte Hondo die Geschichte des afrikanischen Kontinents und dessen Diaspora. Er starb 2019 in Paris.

Filmografie

1969 Balade aux sources (Ballad to the Springs); 25 Min. · Partout ou peut-être nulle part (Everywhere, or Maybe Nowhere); 30 Min. 1973 Les Bicots-nègres, vos voisins (Arabs and Niggers, Your Neighbours); 190 Min. 1977 Nous aurons toute la mort pour dormer; 160 Min. 1979 West Indies, ou les nègres marrons de la liberté (West Indies: The Fugitive Slaves of Liberty); 110 Min. 1986 Sarraounia; 120 Min., Forum 1987 1994 Lumière noire (Black Light); 104 Min. 1998 Watani, un monde sans mal; 78 Min. 2004 Fatima, l’Algérienne de Dakar (Fatima, the Algerian Woman of Dakar); 89 Min.

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2020