Der große Verhau

The Big Mess
Die Parallelen zum wenige Jahre später entstandenen ersten Star Wars sind verblüffend – und doch könnten die Filme nicht unterschiedlicher sein. "Es herrscht Bürgerkrieg im Weltraum", informiert zu Beginn von Der große Verhau ein Rolltitel wie auch in George Lucas’ Sternensaga. Wo dort das böse „Imperium“ über das All herrscht, ist es hier die Suez-Kanal-Gesellschaft. Widerstand kommt von „Selbstversorgern“, Schmugglern und Schrotthändlern, nicht unähnlich der „Rebellion“ aus Lucas’ Film. Dem Gut/Böse-Pathos setzt Kluge allerdings eine augenzwinkernde antikapitalistische Nonsens-Erzählung entgegen und den Materialschlachten Hollywoods eine Fülle von kreativ gestalteten Texttafeln und wunderbar selbstgebastelter Tricktechnik. Die Kostüme scheinen eher vom „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“-Cover inspiriert als von der NASA. Den zeitgemäßen Soundtrack liefern die Krautrocker von Amon Düül II. Wie jede gute Science-Fiction erzählt Der große Verhau also vor allem von der Zeit seiner Entstehung.
von Alexander Kluge
Mit Vinzenz Sterr, Maria Sterr, Sigi Graue, Silvia Forsthofer, Frau Fürst, Herr Reents, Hajo von Zündt, Hark Bohm, Horst Sachtleben, Hannelore Hoger, Bernd Hoeltz
Bundesrepublik Deutschland 1971 Deutsch 86’ Farbe & Schwarz-Weiß

Mit

  • Vinzenz Sterr (Raumschiffer)
  • Maria Sterr (Raumschifferin)
  • Sigi Graue (Clark Douglas, Raumpilot)
  • Silvia Forsthofer (Frl. Silvie Szeliga, Douglas' Freundin)
  • Frau Fürst (Chefin der Joint Galactical Transports)
  • Herr Reents (Prokurist dieser Firma)
  • Hajo von Zündt (Leiter der Bodenstation der J.G.T.)
  • Hark Bohm (Oberst von Schaacke)
  • Horst Sachtleben (Stabsoffizier der Raummarine)
  • Hannelore Hoger (Polizeiinspektorin)
  • Bernd Hoeltz (Gefängnisbeamter)

Stab

Regie, BuchAlexander Kluge
KameraThomas Mauch, Alfred Tichawsky
MontageMaximiliane Mainka, Beate Mainka-Jellinghaus
TonBernd Hoeltz

Produktion

Kairos Film

München, Deutschland

Alexander Kluge

Geboren 1932 in Halberstadt. Er studierte Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik. 1962 war Kluge Mitinitiator des Oberhausener Manifests. 1966 entstand sein erster Langspielfilm Abschied von gestern. Seine letzte Arbeit war der kooperative Film Happy Lamento, der 2018 auf den Filmfestspielen in Venedig gezeigt wurde.

Filmografie

1966 Abschied von Gestern 1967 Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos 1970 Der große Verhau (The Big Mess) 1972 Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte 1973 Gelegenheitsarbeit einer Sklavin 1974 In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod (In Danger and Deep Distress, the Middle Way Spells Certain Death); Co-Regie Edgar Reitz 1976 Der starke Ferdinand 1978 Deutschland im Herbst; Epsiodenfilm, Regie meherer Episoden 1979 Die Patriotin 1980 Der Kandidat (The Candidate); Co-Regie Volker Schlöndorff, Stefan Aust und Alexander von Eschwege 1983 Krieg und Frieden (War and Peace); Co-Regie Stefan Aust, Axel Engstfeld und Volker Schlöndorff · Die Macht der Gefühle 1985 Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit 1986 Vermischte Nachrichten (Odds and Ends); Co-Regie Beate Mainka-Jellinghaus 1993 Veränderung ist das Salz des Vergnügens 2002 Der gefrorene Blitz 2012 Mensch 2.0 – Die Evolution in unserer Hand 2018 Happy Lamento 2020 Orphea

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2020