Vil, má

Divinely Evil
Ein Salon, lachsfarbene Wände, Tapisserien, Büsten, Zimmerpflanzen, eine Kleiderpuppe. Auf einem Samtsessel mit goldenen Leisten hat die Protagonistin Platz genommen, sie stellt sich als Wilma Azevedo vor, 74, „Königin der sadomasochistischen Literatur Brasiliens“. Sie wird vom Regisseur gebeten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die sich schnell in eine detailreiche Abfolge erotischer Anekdoten verästelt, es geht um grüne Bananen, Dildos aus Sandpapier und überstimulierte Nerven. Zu ihrer besten Zeit erhielt sie jeden Monat 300 Liebesbriefe, eine sagenhafte Erfolgsgeschichte. Manchmal setzt die Erinnerung aus, dann hilft ihr eine junge Schauspielerin im Bildhintergrund auf die Sprünge, die Azevedo in einem kommenden Spielfilm verkörpern soll. Zur Hälfte des Films, der sich als Recherche ausgibt, wird der Sessel leicht verrückt und die Protagonistin erzählt eine andere Lebensgeschichte, die ähnliche pornografische Narrative verwendet, aber auch von der schwierigen Emanzipationsgeschichte einer Journalistin erzählt, die sich auf dem gefährlichen Terrain männlicher Fantasien bewegt. In starren Einstellungen auf eine bewegliche Figur entsteht ein Stillleben erzählter Leidenschaften.
von Gustavo Vinagre
Mit Edivina Ribeiro, Wilma Azevedo, Juliane Elting
Brasilien 2020 Portugiesisch 86’ Farbe Weltpremiere Dokumentarische Form

Mit

  • Edivina Ribeiro (Wilma)
  • Wilma Azevedo (Edivina)
  • Juliane Elting (Wanda)

Stab

Regie, BuchGustavo Vinagre
KameraThais Taverna
MontageGabriel Pessoto
Sound DesignVictor Jaramillo
TonJonathan Macías
Production DesignMax Eluard, Fernando Zuccolotto
KostümFernando Zuccolotto
MaskeFernando Zuccolotto
Production ManagerCarlos Barbosa
Produzent*innenGustavo Vinagre, Rodrigo Carneiro, Max Eluard
Ausführende Produzent*innenMax Eluard, Gustavo Vinagre

Produktion

Carneiro Verde Filmes

São Paulo, Brasilien

+55 11959460176

Avoa Filmes

São Paulo, Brasilien

+55 1135862259

Gustavo Vinagre

Geboren 1985. Er studierte Literaturwissenschaft sowie Drehbuchschreiben. Mit seinem zweiten abendfüllenden Film A rosa azul de Novalis war Vinagre 2019 im Berlinale Forum vertreten.

Filmografie

2012 Filme para poeta cego (Film for Blind Poet); 27 Min. 2013 La llamada (The Call); 19 Min. · Nova Dubai; 50 Min. 2014 Mãos que curam (Healing Hands); 19 Min. 2015 Chutes (Kicks); 24 Min. 2016 Os cuidados que se com o cuidado que os outros devem ter consigo mesmos (The Cares One Takes of the Care Others Must Take of Themselves); 21 Min. 2017 Filme-catástrofe (Disaster Film); 18 Min. · Cachorro (Bitch); 14 Min. · Medo medo medo (Fear Fear Fear); 20 Min. 2018 Lembro mais dos corvos (I Remember the Crows); 82 Min. 2019 A rosa azul de Novalis (The Blue Flower of Novalis)

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2020