2026 | Forum Expanded

Unauthorised Versions

Butterfly Stories: Malaise II

Die Sektion Berlinale Forum Expanded öffnet seit nunmehr zwei Jahrzehnten den Kinoraum hin zu experimentellen, künstlerischen Bewegtbildern und erweiterten filmische Formen wie Expanded-Cinema-Performances oder Video- und Filminstallationen. Die Künstler*innen, die mit ihren Werken im Programm vertreten sind, finden oft ungewöhnliche Zugänge und Blickwinkel auf aktuelle politische und gesellschaftliche Themen.

Unter dem Titel „Unauthorised Versions“ versammelt das Programm des 21. Forum Expanded 33 Filme, Installationen und Performances aus 31 Ländern. Viele der ausgewählten Arbeiten beschäftigen sich mit Geschichte und Geschichtsschreibung und damit, welche Perspektiven und Stimmen in offiziellen Berichten und Erzählungen oftmals nicht auftauchen. Welche Akteur*innen erfahren keine Sichtbarkeit, keine Gerechtigkeit? Und wie kann der etablierte Blick auf historische Ereignisse und die Auswirkungen, die diese nach sich ziehen, erweitert oder konterkariert werden?

Diese anderen, inoffiziellen Geschichten und Perspektiven, die die Filme und Installationen präsentieren, kreisen oft um Gewalt – physische, aber auch strukturelle –, die von Staaten ausgeübt oder geduldet wird. Aber sie zeigen auch, wie Solidarität über geographische und soziale Grenzen hinweg wirksam werden kann.

Narrative

Narrative von Anocha Suwichankornpong ist einer der Filme, der ganz darauf bedacht ist, ungehörten Stimmen Raum zu geben. In einem Filmstudio versammeln sich die Angehörigen von pro-demokratischen Demonstrant*innen, die 2010 bei einer Kundgebung in Thailand vom Militär getötet wurden. Bis heute kämpfen die Hinterbliebenen vergeblich um eine offizielle Untersuchung der Morde und darum, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. In Gesprächskreisen und angeleiteten Konversationsübungen legt der Film langsam und geduldig die vielen Schichten der Ungerechtigkeit frei.

Fanfictie: Volcanology

Mit Fanfictie: Volcanology kehrt Riar Rizaldi ins Forum Expanded zurück. Seine Installation verhandelt die Reibungspunkte zwischen lokaler indonesischer Wissensproduktion und westlicher Wissenschaft am Beispiel eines Geologen, der als Untoter im Inneren eines aktiven Vulkans sein ewiges Leben fristet. Der campe Zombiefilm folgt dem delirierenden Forscher auf seinem Weg durch die brodelnde Unterwelt und lauscht seinen Ausführungen über die Bedeutung von Vulkanen in der javanischen Kultur.

„Land Invaders“

Zum ersten Mal ist mit „Land Invaders“ auch ein Videospiel in der Ausstellung des Forum Expanded vertreten. Die Arbeit von Cass Gardiner und Juan Mateo Menendez ist eine anti-kolonialistische Variation des Arcade-Spiel-Klassikers „Space Invaders“. Während man dort Aliens daran hindern musste, die Oberfläche des Planeten Erde zu erreichen, geht es hier darum, Christopher Columbus‘ „Entdeckung“ von Nordamerika – bzw. Turtle Island, wie die First Nations ihre Heimat nennen – zu vereiteln.

Uchronia

Widerstand ist auch der Motor des experimentellen Essayfilms Uchronia von Fil Ieropoulos. Angeleitet von Arthur Rimbaud reißt uns der Film in einen wilden Ritt durch die Geschichte der queeren Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Wir begegnen nicht nur Emma Goldman, David Wojnarowicz, Marsha P. Johnson und anderen Ikonen und Vorreiter*innen, sondern werden auch mit der Frage konfrontiert, wie eine queere Avantgarde heute aussehen kann? Welche Form des Widerstands ist nötig und möglich?

Warnungen an die ferne Zukunft

Auch Juliana Jaschnow und Stefanie Schroeder nehmen große Zeiträume in den Blick – so groß, dass sie die menschliche Vorstellungskraft sprengen. Warnungen an die ferne Zukunft zeigt die schwergängigen Bemühungen um ein deutsch-deutsches atomares Endlager. Der Essayfilm schaut mit ungläubigem aber aufrichtigem Interesse auf Protestbootsfahrten und Onlinediskussionen mit Bürgerbeteiligung, auf zu Vergnügungsparks umfunktionierte Atomkraftwerke und Kartoffelbrei-Aktionen der Letzten Generation.

Born of the Yam

Born of the Yam, schließlich, ist eine der Expanded-Cinema-Performances im Programm. Das aus Singapur stammende Duo Mark Chua und Lam Li Shuen nutzt von Hand entwickeltes 16mm-Filmmaterial, Feedback, Noise und eine Vielzahl von Projektionen für ein Ritual, das einem aus der Yamswurzel entsprungenen Halbgott gewidmet ist. Ein leinwandsprengendes Erlebnis.

Alle Arbeiten und Veranstaltungen im Forum Expanded 2026: