Anne Franks Tagebuch. Ein Buch, dem man als Kind weltweit begegnet, an das man sich als Erwachsener kaum erinnert. <em class="film">Quand tu écouteras cette chanson</em> beruht auf dem gleichnamigen Text von Lola Lafon, der von der einen Nacht erzählt, die die Autorin im Anne-Frank-Haus in Amsterdam verbracht hat, in dem Familie Frank und weitere verfolgte jüdische Familien von 1942 bis 1944 versteckt gelebt hatten, bevor sie verraten, deportiert und ermordet wurden. Lafon beschreibt die imaginäre Begegnung mit Anne Frank als Überlagerung zweier Biographien: der gewaltsam unterbrochenen der angehenden Schriftstellerin, und ihrer eigenen in den Pariser 1980ern, aktivistisch-aufmerksam für alles, außer den anhaltenden Antisemitismus. Im atemberaubenden Montage-Wechsel mit Archivmaterial und klugen Gedankensprüngen wie Perspektivwechseln setzt Mona Bauer (Achache) die sich ihrer eigenen jüdischen Identität bewusstwerdende Lola Lafon ins Bild – als Protagonistin, die aus ihrem Buch vorliest, so sachlich, zärtlich wie der Text selbst. Literarische Bildverfahren werden dabei zu filmischen, das Bild der vielfach bebildert und besungenen Symbolfigur der Shoah dekonstruiert und vom Merchandise-Dasein befreit.