Lola muss in 20 Minuten 100.000 Mark auftreiben. Andernfalls wird ein Berliner Autoschieber ihren Freund umlegen, weil der als Geldbote versagt und diese Summe in der U-Bahn liegen gelassen hat. Lola hat drei Versuche. Der erste mündet in einen Raubüberfall, der zweite in einen Bankraub. Beide enden übel. Der dritte führt sie in ein Spielcasino.<br /> Ein Märchenmotiv trifft auf die Dramaturgie eines Videogames: In drei zeitlich leicht verschobenen Varianten ergeben sich drei Handlungsabläufe, die auch für Randfiguren lebensentscheidende Wendungen nehmen. Diese in rasanten Flash-Forward-Fotoromanen durchzuspielen, ist Teil einer postmodernen Bricolage, für die Tom Tykwer die Ressourcen des aktuellen Kinos entfesselte: Von Trance- und Technotracks vorangetrieben, geriet <em class="film">Lola rennt</em> zum filmischen Loop. In ihm fügten sich Video und 35 mm, Farbe und Schwarz-Weiß, Split-Screens und Slow-Motion, Jump-Cuts und Match-Cuts, Comics und 360-Grad-Kamerafahrten zur spielerischen Erkundung möglicher Wirklichkeiten – und zum ersten deutschen Film fürs 21. Jahrhundert. In ihm entwirft die Montage einen Stadtraum Berlins, in dem Ost und West zu einem imaginären Spielfeld zusammengewachsen sind.