Narciso

Paraguay, 1959: Zum ersten Mal bebt ein ausländischer Rhythmus durch Asunción. Rock ’n’ Roll hat den Weg ins Radio gefunden und bringt Hitze, Tempo und die vage Illusion mit sich, dass sich die Zeiten ändern könnten. Die Stadt fühlt sich jünger und lockerer an. Für einen kurzen Augenblick scheint sie aus dem eigenen Takt geraten. Gleichzeitig hält ein zweiter Rhythmus Einzug. Langsamer. Schwerer. Ein disziplinierter Puls, der Gesten anordnet, Stimmen zum Schweigen bringt und die Grenzen dessen, was gesehen und begehrt werden darf, neu zieht. Begriffe wie Tugend, Anstand und Tradition sind plötzlich allgegenwärtig und beginnen, eine kollektive Angst zu prägen. In dieser aufgeladenen Stimmung wird der charismatische Musiker Narciso zum Symbol der Freiheit. Seine Jugend, sein Körper und seine Art, sich in der Nacht zu Hause zu fühlen, schwingen in seiner Musik mit, weshalb sie als Bedrohung empfunden wird. Begehren wird sichtbar. Und Sichtbarkeit wird gefährlich. Was zuvor niemandem aufgefallen ist, zieht jetzt Aufmerksamkeit auf sich; es kommen Verdächtigungen und Vorurteile auf. Während das Regime seine Macht zementiert, bestimmen Moralvorstellungen die Atmosphäre, intim und unterdrückend zugleich. Die Zukunft verschwindet nicht sofort, sondern verengt sich, und man lernt, aufzupassen. Zwischen Tanz und Disziplin nimmt eine neue Ordnung Gestalt an – und eine ganze Generation spürt, wie sie näher rückt.
von Marcelo Martinessi (Regie), Marcello Martinessi (Buch)
mit Diro Romero, Manuel Cuenca, Arturo Fleitas, Margarita Irun, Mona Martinez, Nahuel Perez Biscayart
Paraguay / Deutschland / Uruguay / Brasilien / Portugal / Spanien / Frankreich 2026 Spanisch, Guarani 101' Farbe Weltpremiere

Mit

  • Diro Romero (Narciso)
  • Manuel Cuenca (Lulu)
  • Arturo Fleitas (Dracula)
  • Margarita Irun (Goya)
  • Mona Martinez (Nenucha)
  • Nahuel Perez Biscayart (Mister Wesson)

Stab

Regie Marcelo Martinessi
Buch Marcello Martinessi
Kamera Luis Arteaga
Montage Fernando Epstein, Marcelo Martinessi
Musik Zeltia Montes Muñoz
Sound Design Fernando Henna, Miguel Martins
Szenenbild Carlo Spatuzza, Babi Targino
Casting Marcelo Martinessi
Produzent*innen Sebastian Peña Escobar, Marcelo Martinessi
Executive Producers Sebastian Peña Escobar, Christoph Friedel, Claudia Steffen, Julia Murat, Alex Lafuente, Ico Costa, Marina Perales Marhuenda, Xavier Rocher, Agustina Chiarino, Fernando Epstein

Produktion

La Babosa Cine

Asunción, Paraguay

Koproduktion

Pandora Film Produktion

Köln, Deutschland

Bocacha Films

Montevideo, Uruguay

Esquina Produções

Rio de Janeiro, Brasilien

Oublaum Filmes

Lissabon, Portugal

BTeam Prods

Madrid, Spanien

La Fabrica Nocturna Cinéma

Paris, Frankreich

Guay Films

Montevideo, Uruguay

Weltvertrieb

Luxbox

Paris, Frankreich

Marcelo Martinessi

Der 1973 in Asunción, Paraguay, geborene Regisseur und Drehbuchautor studierte zunächst Kommunikationswissenschaft in seiner Heimatstadt und anschließend Film an der London Film School. Er realisierte mehrere Kurzfilme, darunter La voz perdida, der in Venedig mit dem Orizzonti-Preis ausgezeichnet wurde. Von 2010 bis zum Staatsstreich im Jahr 2012 war er Geschäftsführer des ersten öffentlichen Fernsehsenders in Paraguay. Sein Langfilmdebüt Las herederas wurde 2018 in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen und mit zwei Silbernen Bären, dem FIPRESCI-Preis und einem Teddy ausgezeichnet. 

Filmografie (Auswahl)

2009 Karai norte (Man from the North); Kurzfilm, Berlinale 2009 2011 Calle última (Ultima Street); Kurzfilm, Berlinale 2011 2013 El baldío (Barren Land); Kurzfilm 2016 La voz perdida (The Lost Voice); Kurzfilm 2018 Las herederas (The Heiresses); Berlinale 2018 2026 Narciso; Berlinale 2026

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2026