2017 wurde der junge Mapuche Rafael Nahuel in einem Waldgebiet bei Villa Mascardi in den patagonischen Anden von der Polizei der argentinischen Küstenwache getötet. Anhand von Gerichtsakten, Behördenunterlagen und gerichtsmedizinischem Archivmaterial rekonstruiert <em class="film">Forest up in the Mountain</em> das Verbrechen als Teil einer langen Geschichte systematischer staatlicher Gewalt gegen die indigenen Mapuche. Die Suche nach den Hintergründen führt zurück ins späte 19. Jahrhundert – in die Zeit der Kolonisierung nach der „Conquista del desierto“ (Wüstenkampagne). Was sichtbar wird: Die brüchige Rechtsordnung, die das Machtgefälle zwischen Staat und Indigenen reproduziert und den Lebensraum der Mapuche zur industriemäßigen Ausbeutung freigibt. Was einfühlsam und durchlässig dokumentiert wird: Wie durch physische und symbolische Gewalt Menschen entwurzelt und Identitäten zerstört werden. In Sofía Bordenaves Film, der die historischen Wurzeln des Gebietsstreits erforscht, wird der Wald zum Zeugen und zum Ort des Widerstands – zum Archiv und Resonanzraum, der mehr und anderes aussagt als Aussagen vor Gericht, und offizielle Narrative infrage stellt.