„Es hat nur zwei Genies in Deutschland nach dem Krieg gegeben, im Westen Fassbinder und im Osten Schleef“, so Elfriede Jelinek. Als Einar Schleef 2001 mit nur 57 Jahren viel zu früh stirbt, ist er alleine, erst Tage später erfährt die Öffentlichkeit von seinem Tod. Wie kommt es, dass dieser Maler, Autor und Pionier des deutschen Regietheaters im Osten, später im Westen und schließlich im wiedervereinten Deutschland – gleichermaßen anerkannt und verkannt, gefeiert und verhindert, zielsicher und unverstanden – überall fremd blieb? Das elliptisch montierte Archivmaterial lässt vor allem Schleef selbst sprechen – sprunghaft, stotternd, schonungslos. Behutsam umgeht Sandra Prechtels Film Verklärung und Vereinnahmung eines Künstlers im 20. Jahrhundert, der sich jeglicher Massenpsychologie verweigerte und den Theaterbetrieb doch bis zum Äußersten trieb. Aus biographischen Schlaglichtern fügt sich das Porträt eines so widerständigen wie verletzlichen Einzelgängers mit enfant-terrible-Ruf und Selbstzerstörungspotenzial. Erzählt wird vom Theater und den Verdrängungsmechanismen der Nachkriegsgesellschaft sowie – anders als man es kennt – von deutsch-deutscher Wirklichkeit.