Historisches Material, neu gemischt: Gesichter, Gesten, Körperhaltungen. In <em class="film">Love Your Nails!</em> kippen die Rollen – Männer werden zu Frauen, Frauen zu Männern – und plötzlich wirkt das Archiv seltsam beweglich. Dazu glänzen lange, künstliche Nägel als Setzung, als Witz, als Kommentar. Narges Kalhor nutzt KI nicht, um Geschichte „realistischer“ zu machen, sondern um sie umzucodieren: Was bleibt von einer Aufnahme, wenn ihr sozialer Code vertauscht wird? Welche Bedeutungen verschwinden, welche treten grell hervor? Zwischen Glamour, Stigma und Arbeit öffnet der Film einen Blick auf Gender und Klasse, auf Sichtbarkeit und Status. KI wird hier zur Verfremdung, die Kritik zuspitzen kann – und zugleich zur Glättungsmaschine, die Unterschiede in Oberfläche verwandelt. Genau in dieser Ambivalenz liegt der Sog des Films.