Berlinale: Kulinarisches Kino


Kulinarisches Kino

„Passion Food“ lautet das Motto des elften Kulinarischen Kinos, das vom 12. bis 17. Februar 2017 stattfindet und elf aktuelle Langfilme über die Beziehungen zwischen Essen, Kultur und Politik präsentiert.

„Die Leidenschaft – und ihre Beherrschung – ist zweifellos für Köche und Filmemacher eine Triebfeder um zu arbeiten und gleichzeitig ein Thema ihrer Arbeit“, erläutert Festivaldirektor Dieter Kosslick das Motto.

Das Hauptprogramm des Kulinarischen Kinos um 19:30 Uhr präsentiert vier Weltpremieren und eine internationale Premiere. Nach dem Film servieren die Sterneköche Eneko Atxa, Alexander Koppe, Tim Raue, Sebastian Frank sowie Christian Lohse im Gropius Mirror Restaurant ein vom Film inspiriertes Menü.

Der spanische Dokumentarfilm Soul von José Antonio Blanco und Ángel Parra eröffnet das Programm. Der Protagonist Eneko Atxa leitet einen Restaurantkomplex in der Nähe Bilbaos im Baskenland. Die Frage nach der Seele des Kochens lässt ihn zu berühmten Kolleg*innen in Katalonien und Japan reisen. Eneko Atxa (drei Michelin-Sterne, „Azurmendi“, Larrabetzu, Provinz Bizkaia) kreiert das Menü des Abends.

Barkeeper*innen gehören auch zu den Menschen, die Leidenschaften beherrschen müssen, sonst entgleitet ihnen das Geschehen am Tresen. Im Dokumentarfilm Schumanns Bargespräche begleitet die Regisseurin Marieke Schroeder die Barkeeperlegende Charles Schumann in die besten Bars der Welt. Es kocht Alexander Koppe (ein Michelin-Stern, „Skykitchen“, Berlin).

In der Netflix-Serie Chef’s Table (R: Abigail Fuller) erzählt Tim Raue in seiner Episode, wie er mit dem Kochen die dunkle Energie seiner Jugend ins Positive umkehren konnte. David Gelb, der Chef’s Table konzipierte, führt uns außerdem nach Korea in eine Klosterküche, in der die buddhistische Nonne Jeong Kwan Tempel-Food zubereitet. Tim Raue (zwei Michelin-Sterne, „Tim Raue“, Berlin) wird an diesem Abend zum siebten Mal am Herd des Kulinarischen Kinos stehen.

In André – The Voice of Wine von Mark Tchelistcheff erfahren wir, dass die Weinrebe leiden muss, um gehaltvolle Trauben zu tragen. Diese Erkenntnis aus dem Weinbau gilt im übertragenen Sinn auch für den aus Russland emigrierten Önologen André Tchelistcheff, der in den 1930er Jahren nach dem Ende der Prohibition den kalifornischen Weinbau wieder aufbaute. Sebastian Frank serviert das Menü zum Film (zwei Michelin-Sterne, „Horváth“, Berlin).

Der australische Regisseur Trevor Graham folgt in Monsieur Mayonnaise dem Maler und Filmemacher Philippe Mora, der seine abenteuerliche Familiengeschichte erforscht. Sein Vater Georges Mora alias Monsieur Mayonnaise kämpfte in der Résistance und gründete nach dem Krieg eine Künstlerkolonie in Australien. Christian Lohse kocht (zwei Michelin-Sterne, „Fischers Fritz“, Berlin).

Zum Abschluss präsentiert das Kulinarische Kino Goes Kiez im EISZEIT Kino die kanadische Produktion Theater of Life von Peter Svatek. Der hochdekorierte Chefkoch Massimo Bottura leitet eine Armenküche in Mailand, in der mit Resten gekocht wird. Der gastronomische Part wird von der Markthalle Neun und dem Restaurant „Restlos Glücklich“ übernommen.

Auch in den Spätvorstellungen (ohne Menü) bleibt die Leidenschaft für gute Ernährung und ökologisches Engagement das Leitmotiv. Tiere essen oder streicheln? Das ist die Frage für den Filmemacher John Papola und die Filmemacherin Lisa Versaci in At the Fork. Ziegen melken, aber die Milch nicht verkaufen zu dürfen, ist das Problem für drei junge Farmer aus Oregon in Boone von Christopher LaMarca. In Atlantic geht Risteard Ó Domhnaill der Frage nach, wie es möglich war den riesigen Nordatlantik leer zu fischen und das Ökosystem zu zerstören. Wendell Berry, der seit 50 Jahren das ökologische Denken in den USA prägt, wird von Laura Dunn in Look & See: The Story of Wendell Berry, porträtiert.

Der kanadische Kurzfilm Hand.Line.Cod. von Justin Simms ergänzt das Programm.

„Das Kulinarische Kino bleibt auch im elften Jahr ein Schmelztiegel für Filme und Köch*innen, die mit dem Thema Food Leib und Seele des Menschen erkunden. Ist das Essen eine Passion, eine lebensnotwendige Tätigkeit oder ein profit-orientierter Wirtschaftszweig? Das gilt es zu klären“, sagt der Kurator des Kulinarischen Kinos Thomas Struck.

Das Feuer der Leidenschaft lodert auch zur „TeaTime“ im Kulinarischen Kino 2017: Das Kochbuch „Studio Olafur Eliasson: The Kitchen“ feiert das Kochen und gemeinsame Essen als Quelle der Inspiration eines weltweit anerkannten Künstlers („TeaTime“ am 14.02.2017). Kamal Mouzawak, Slow-Food-Aktivist aus dem Libanon, reflektiert die Probleme der Migration und den Zusammenhang von Heimat und Essen („TeaTime“ am 15.02.2017).

Berlinale Street Food

Festivaldirektor Dieter Kosslick am Food Truck „Heisser Hobel“ während der Berlinale 2014.

Das Kulinarische Kino organisiert mit der Markthalle Neun und Slow Food Berlin den Street Food Markt mit den beliebtesten Food Trucks der Stadt, wie „Heisser Hobel“ mit Allgäuer Kässpätzle, „Big Stuff Smoked BBQ“ mit saftigem Pulled Pork oder „Café 9“ mit Sironis köstlichen italienischen Backwaren. In diesem Jahr neu dabei: „Buns Mobile“ mit Fischburger und hausgemachten Pommes und der Mexikaner „Eddilicious“ mit Chili Cheese Nachos und Mexikanischem Curry.

Der Berlinale Street Food Markt findet wieder in der Joseph-von-Eichendorff-Gasse / Ecke Alte Potsdamer Straße statt. Vom 9. bis 19. Februar, täglich 11:00 bis 22:00 Uhr, Kaffee und Frühstück ab 8:00 Uhr.

Die Filme des Kulinarischen Kinos können für den Glashütte Original Dokumentarfilmpreis (dotiert mit 50.000 Euro) nominiert werden.

Das Kulinarische Kino pflegt eine ideelle Partnerschaft mit der Internationalen Slow Food Bewegung.

Kontakt

Kulinarisches Kino
Potsdamer Straße 5
10785 Berlin