Berlinale: Preise Unabhängige Jurys


Preise von unabhängigen Jurys

Als unabhängig gelten Jurys, die ihre Preise im Namen externer, vom Festival unabhängiger Organisationen und Institutionen vergeben. Das hohe Qualitätsniveau und die Vielfalt im Festival-Programm laden dazu ein, sich kritisch mit dem Medium auseinanderzusetzen und mit einem eigenen Werturteil Akzente zu setzen. Dementsprechend vergeben die unabhängigen Jurys ihre Preise nach unterschiedlichen Kriterien, je nach dem speziellen Anliegen, das sich mit der Auszeichnung verbindet.

Seit 1992 sind die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen - Interfilm und Signis - durch eine aus sechs Mitgliedern bestehende gemeinsame ökumenische Jury vertreten. Die Jury vergibt ihren Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb, sowie je einen mit 2.500 Euro dotierten Preis für einen Film aus der Sektion Panorama und aus dem Programm des Forums.

Die Jury ehrt mit den Preisen Filmschaffende, die in ihren Filmen ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die es in ihren Filmen schaffen, die Zuschauer für spirituelle, menschliche und soziale Werte zu sensibilisieren.

Preisträger Wettbewerb 2014

Kreuzweg
von Dietrich Brüggemann

Jurybegründung
Die vierzehnjährige Maria wächst in einer katholisch-fundamentalistischen Gemeinschaft auf und will ihr eigenes Leben Gott weihen. 14 an den Kreuzwegstationen angelehnte Tableaus, fast ohne Kamerabewegung oder Musik formal konsequent erzählt, zeigen die destruktiven Aspekte jedes Fundamentalismus und nötigen zugleich zur Reflexion über angemessene Formen des Glaubens.


Lobende Erwähnung:
'71
von Yann Demange

Preisträger Panorama 2014

Calvary
von John Michael McDonagh

Jurybegründung
Ein irisch-katholischer Priester erfährt während der Beichte, dass er nur noch eine Woche zu leben hat und dann umgebracht werden soll. Wird seine moralische Integrität ihn dazu bewegen, die Sünden seiner Kirche auf sich zu nehmen? Der Film behandelt etliche ernsthafte Themen mit schwarzen Humor. Brendan Gleesons denkwürdige Darstellung wird sicher in den Kanon der Filmpriester aufgenommen.


Lobende Erwähnung:
Triptyque (Triptych)
von Robert Lepage, Pedro Pires

Preisträger Forum 2014

Sto spiti (At Home)
von Athanasios Karanikolas

Jurybegründung
Die georgische Migrantin Nadja arbeitet ohne soziale Absicherung als Hausangestellte in einer griechischen Oberklassefamilie. Seit Jahren lebt sie in der Familie, doch plötzlich erkrankt sie ernsthaft, während zugleich der Familienvater in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Der Film stellt die Würde einer Frau am Rand der Gesellschaft in den Mittelpunkt.

Jurymitglieder 2014
Thomas Schüpbach
Karel Deburchgrave
Christoph Strack
Gabriella Lettini
Antonio Urrata
Dirk von Jutrczenka

Die Jurys der „Fédération Internationale de la Presse Cinématographique“ (FIPRESCI), des internationalen Verbands der Filmkritik, sichten Filme aus dem Programm des Wettbewerbs und in den Sektionen Panorama und Forum. Pro Sektion wird ein Preis für den besten Film vergeben.

Preisträger Wettbewerb 2014

Aimer, Boire et Chanter (Life of Riley)
von Alain Resnais

Jurybegründung
Die Jury sah im Wettbewerb eine Reihe von thematisch vielversprechenden Filmen, die nicht sehr originell waren, und eine Reihe von Filmen, die originell aber nicht anspruchsvoll waren. Daher hat sich die Jury für Aimer, boire et Chanter (Life of Riley) von Alain Resnais entschieden. Der Film beweist einmal mehr Resnais Interesse an formalen Experimenten uns seine Lust an der ständigen Weiterentwicklung der Filmkunst.

Preisträger Panorama 2014

Hoje eu quero voltar sozinho (The Way He Looks)
von Daniel Ribeiro

Jurybegründung
Hoje eu quero voltar sozinho (The Way He Looks) ist eine geistreiche Komödie über die erste Liebe, die sich gleichermaßen frisch wie auch formal innovativ präsentiert. Der Film zeigt uns einen schwulen und blinden Helden, ohne jedoch dessen Sexualität oder Behinderung jemals auszustellen.

Preisträger Forum 2014

Forma
von Ayumi Sakamoto

Jurybegründung
Die Jury ist der einhelligen Meinung, dass Forma ein exzellenter Film ist. Die Story ist mit viel Liebe für Details und Gespür für Timing erzählt, sie lebt von den glaubhaften Charakteren. Die Regisseurin vertraut der Kraft der Geschichte und verzichtet auf cinematografische Tricks und Musik. Die junge japanische Regisseurin hat das Potential für eine große Karriere, die die Filmkunst bereichern kann.

Jurymitglieder 2014
Michel Ciment (Jurypräsident), Dubravka Lakic, Hauvick Habechian (Wettbewerb),
Lesley Chow, Paulo Portugal, Sophie Charlotte Rieger (Panorama),
Mihai Fulger, Luuk Imhann, Bettina Schuler (Forum)

Die Jury der „Gilde deutscher Filmkunsttheater“ setzt sich aus drei Juroren zusammen, die Kinobetreiber und Mitglieder der Gilde sind. Sie vergibt ihren Preis an einen Film des Wettbewerbs.

Preisträger 2014

Boyhood
von Richard Linklater

Jurybegründung
Die Jury der AG Kino-Gilde der deutschen Filmkunsttheater zeichnet mit großer Einstimmigkeit ein singuläres Film-Projekt aus – Richard Linklaters Boyhood.
In seiner hervorragenden Inszenierung werden drei Stunden Kino zu einer wunderbar verdichteten Zeiterfahrung menschlicher Entwicklung. Warmherzig und mit pointierten Dialogen gelingt es ihm, und seinem außerordentlichen Ensemble, die Magie des Alltäglichen zum Erscheinen zu bringen sowie einen ermutigenden und erheiternden Blick auf die Möglichkeiten und Herausforderungen moderner Familienstrukturen zu werfen.

Jurymitglieder 2014
Adrian Kutter
Silvia Bahl
Florian Lampersberger

Für die „Confédération Internationale des Cinémas D´Art et Essai" (C.I.C.A.E.), den Internationalen Verband der Filmkunsttheater, sind zwei Jurys auf der Berlinale tätig: eine vergibt einen Preis an einen Film des Panoramas, eine kürt einen Film des Forums.

Jurymitglieder 2014
Kathrin Kohlstedde
Boris Thomas
Edvinas Puksta
Kathy Bonomi
Sylvie Da Rocha
Jörg Jacob

Preisträger Panorama 2014

Kuzu (The Lamb)
von Kutluğ Ataman

Jurybegründung
Der Film zeigt uns als allegorische Erzählung einen Weg, auf kindlich-intuitive Weise mit den Herausforderungen der modernen Welt umzugehen. Humorvoll und freundlich erzählt er die Geschichte einer armen, anatolischen Familie, die sich noch nicht einmal das Lamm zur Beschneidungsfeier ihres Sohnes leisten kann.
Perfekt setzt der Regisseur alle Mittel der Filmkunst ein: Nicht nur eine Kamera, die meisterhaft die Größe und Kraft der umgebenden Landschaft einfängt, sondern auch das überragende Spiel der sorgfältig ausgewählten (vor allem der jungen) Schauspieler. Regisseur Ataman lädt uns zu einem cinéastischen Fest ein mit seinem Film Kuzu (The Lamb).

Preisträger Forum 2014

She's Lost Control
von Anja Marquardt

Jurybegründung
In diesem Jahr vergibt die CICAE Jury im Internationalen Forum des jungen Films den Preis an She’s Lost Control, ein intimer, gefuehlvoller und vielschichtiger Debuet-Film, der mutig ein verschwiegenes Thema der modernen Gesellschaft erkundet. Regisseurin Anja Marquardt nimmt uns mit auf die emotionale Reise in die innere Welt von “Surrogatpartnerin” Ronah. Wir waren beeindruckt von der intensiven und authentischen darstellerischen Leistung von Hauptdarstellerin Brooke Bloome. Wir finden es wichtig, diesen ergreifenden Film einem groesseren Publikum nahe zu bringen.

Das „Label Europa Cinemas“ wurde auf dem Filmfestival in Cannes 2003 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel der Initiative ist die Förderung europäischer Filme, ihres Verleihs und ihrer Wahrnehmung beim Publikum und in den Medien. Es wird jeweils ein europäischer Film der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes und seit 2004 auch der Venice Days in Venedig mit dem Label durch eine Jury von fünf Mitglieds-Kinobetreibern ausgezeichnet. 2005 wurde diese Auszeichnung zum ersten Mal auf der Berlinale vergeben, und zwar an einen europäischen Film des Panoramas.

Preisträger 2014

Blind
von Eskil Vogt

Jurybegründung
Blind ist ein erfrischendes, originelles Langspielfilmdebüt welches sich durch einen interessanten Zugang zu narrativen Strukturen auszeichnet. Der Film erweckt die Neugier des Publikums und spielt mit der Wahrnehmung von Fantasie und Realität.
Vor allem ist Blind ein Arthousefilm, der sich an das jüngere Publikum richtet und zu Diskussionen anregt – eine willkommene Abwechslung zu den derzeit dominierenden Generation 40+ (“Middle-aged”) Dramen.

Jurymitglieder 2014
Hrönn Sveinsdottir
David O Mahony
Laurent Dutoit
Matthias Stütz

Der TEDDY AWARD, der bedeutendste queere Filmpreis der Welt, ist eine gesellschaftlich engagierte politische Auszeichnung, die Filmen und Personen zugute kommt, die queere Themen auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene kommunizieren und somit einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten.

Der Preis wird im Rahmen der Berlinale in den Kategorien Bester Spielfilm, Bester Dokumentar-/Essayfilm und Bester Kurzfilm sowie als Special TEDDY AWARD an herausragende Persönlichkeiten vergeben. Filme aus allen Sektionen der Internationalen Filmfestspiele Berlin konkurrieren jedes Jahr um die TEDDY AWARDS.

Bester Spielfilm 2014

Hoje Eu Quero Voltar Sozinho (The Way He Looks)
von Daniel Ribeiro

Jurybegründung (momentan nur in Englisch verfügbar)
A joyous debut feature from a director who combines great writing, characterization, performance, camera, and music to deliver a film that soars above the well-explored coming of age genre, giving new meaning to the old adage ‘love is blind’.

Bester Dokumentar-/Essayfilm 2014

Der Kreis (The Circle)
von Stefan Haupt

Jurybegründung (momentan nur in Englisch verfügbar)
A film that reflects on personal Queer histories in mid-twentieth century Swizterland, brings to light the necessity and urgency to resist and engage with homophobia as it proliferates around the planet.

Bester Kurzfilm 2014

Mondial 2010
von Roy Dib

Jurybegründung (momentan nur in Englisch verfügbar)
A film that takes us on a journey, both literal and personal through a hazardous landscape where invisibility is a necessary aspect of Queer survival.

Teddy Jury Award 2014

Pierrot Lunaire
von Bruce LaBruce

Jurybegründung (momentan nur in Englisch verfügbar)
The Teddy Jury would like to recognize Bruce LaBruce’s important new piece Pierrot Lunaire as a significant addition to his ouvre, that continues to explore the notion of ‘Queer’ in every sense. Melding theatricality with edgy cinematic language, a remarkable performance by Susanne Sachsse, with sophisticated use of music, Bruce recombines these elements to renew the classic Avant garde.

Jurymitglieder 2014
Ana David
Masha Godovannaya
Julián David Correa
Marten Rabarts
Dave KIM
Ellen Becht
Andrew Murphy
Oskar Ericsson
Lucia Kájanková

Im elften Jahr der Sektion Perspektive Deutsches Kino rief die Berlinale 2012 den von Glashütte Original gestifteten „Made in Germany - Förderpreis Perspektive“ ins Leben. Das mit 15.000 € dotierte Stipendium zur Unterstützung von jungen deutschen Regisseuren/-innen bei der Projekt-, Stoff- und Drehbuchentwicklung geht an ein Regietalent der Perspektive Deutsches Kino. Teilnahmeberechtigt sind alle Regisseure/-innen, die bei der vergangenen Berlinale einen Film im Programm der Perspektive hatten.

Preisträger 2014

Sandra Kaudelka
für Intershop

und

Sebastian Mez
für 274

Jurymitglieder 2014
Katja Eichinger
Frieder Schlaich
Andres Veiel

Seit 2004 wird der Preis „DFJW-Preis Dialogue en perspective“ in der Sektion Perspektive Deutsches Kino verliehen. Bereits zum zehnten Mal ist das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) der Stifter des „DFJW-Preis Dialogue en perspective“, dotiert mit 5.000 €. Der Preis ist das Ergebnis eines interkulturellen filmischen Diskurses junger Menschen aus drei Ländern: Frankreich, Deutschland und ein jährlich wechselndes Gastland.

Der Preis wird an einen Film verliehen, der es vermag, kritische Jugendliche der drei Nationen gleichermaßen zu beeindrucken. Die Jury besteht aus sieben Mitgliedern und einem Jurypräsidenten/ einer Jurypräsidentin. Die Jurymitglieder werden mittels einer öffentlichen Ausschreibung vom Preisstifter ausgewählt. Die Jurypräsidentin oder der -präsident sind Persönlichkeiten, die sich für einen filmischen Dialog zwischen Deutschland und Frankreich engagieren. Diese Jury ist die einzige auf der Berlinale, deren Zusammensetzung öffentlich ausgeschrieben wird. Details zur Ausschreibung finden Sie hier.

Preisträger 2014

Anderswo
von Ester Amrami

Jurybegründung
Für seine sensible und engagierte Sprache über Grenzen und Zwischenwelten sowie seinen nachdenklichen und zugleich humorvollen Blick, der uns sehr berührt hat, vergeben wir den „DFJW-Preis Dialogue en perspective 2014“ an den Film Anderswo von Ester Amrami.


Lobende Erwähnung:
nebel
von Nicole Vögele

Jurymitglieder 2014
Denis Dercourt (Präsident)
Manon Cavagna
Rebecca Raab
Tom Ullrich
Mathilde Saraux
Lucie Brux
Clément Konopnicki
Itamar Gov

Die aus drei Mitgliedern bestehende Jury vergibt den Caligari-Filmpreis an einen Film des Forums. Der Preis wird vom „Bundesverband kommunale Filmarbeit“ und der Zeitschrift „film-dienst“ gestiftet. Er ist mit 4.000 Euro dotiert, wobei die eine Hälfte an den Regisseur des Films geht, die andere den Verleih fördert.

Preisträger 2014

Das große Museum
von Johannes Holzhausen

Jurybegründung
Ein Mann fährt, verfolgt von einer wunderbar dahingleitenden Kamera, auf einem Tretroller durch die endlosen Gänge des Kunsthistorischen Museums Wien – und stoppt vor einen Kopierer. Sinnlicher kann man den Spagat zwischen Kultur und Bürokratie kaum visualisieren. Und der Film ist voll solch ironisch gebrochener Anspielungen, liebenswert gezeichneter Protagonisten, die mit Herzblut Kunstobjekte bewahren. Dem Regisseur gelingt ein informativ-witzig-intelligenter Blick hinter die Kulissen eines großen Museums, das sich im internationalen Wettbewerb behaupten muss.

Jurymitglieder 2014
Claudia Cornelius
Marit Vahjen
Rolf-Rüdiger Hamacher

Das „Network for the Promotion of Asian Cinema“ (NETPAC) ist ein Zusammenschluss von Festivalorganisatoren und Filmkritikern, die sich die Förderung des asiatischen Films zum Ziel gesetzt haben. Die Jury sichtet asiatische Filme im Programm des Forums.

Preisträger 2014

Cheol-ae-kum (A Dream of Iron)
von Kelvin Kyung Kun Park

EX AEQUO
Non-fiction Diary
von Jung Yoon-suk

Jurymitglieder 2014
Nick Palevsky
Tan Bee Thiam
Axel Estein

Die Jury besteht aus neun Mitgliedern, die Filme aus allen Sektionen sichten. Der Preis wird in Form einer Bronzeplastik von Otmar Alt verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Friedensfilmpreis steht unter Schirmherrschaft der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs / IPPNW. Er wird getragen von der Friedensinitiative Zehlendorf, der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Internationalen Auschwitz Komitee und der IPPNW.

Preisträger 2014

We Come as Friends
von Hubert Sauper

Jurymitglieder 2014
Marianne Wündrich-Brosien
Helgard Gammert-Jakli
Claudia Gehre
Martin Zint
Till Passow
Michael Kotschi
Katrin Schlösser
Elias Gottstein
Andreas Altenhof

Die deutsche Sektion von Amnesty International verlieh auf der Berlinale 2005 erstmalig den Amnesty International Filmpreis. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Jury sichtet Filme der Sektionen Wettbewerb, Panorama, Forum und Generation und richtet dabei ein besonderes Augenmerk auf Dokumentationen. Ziel des Preises ist es, die Aufmerksamkeit von Fachbesuchern und breitem Publikum auf das Thema Menschenrechte zu lenken und Filmemacher dazu zu ermutigen, sich dieses Themas verstärkt anzunehmen.

Preisträger 2014

Al midan (The Square)
von Jehane Noujaim

Jurybegründung
Der Dokumentarfilm Al midan zeigt die Entwicklung der Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo zwischen 2011 und 2013. Die größte Stärke des Films sind seine drei Protagonisten: Ahmed, Khaled und Magdy kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Aber auf dem Tahrir-Platz verfolgen sie unabhängig von ihrer Herkunft ein gemeinsames Ziel: ein freies Ägypten. Der Film begleitet sie und das ägyptische Volk über drei Jahre und dokumentiert ihren Einsatz zwischen Euphorie und Frustration.
Neben der politischen Brisanz und der Menschlichkeit der Geschichten hat uns die Bildsprache überzeugt. Auch in den lebensbedrohlichen Situationen läuft die Kamera weiter. Ohne Partei zu ergreifen, findet sie kraftvolle Bilder, die Momente des Scheiterns, der Todesangst, der Hoffnung, der Frustration und vor allem des Mutes zeigen. Al midan ist einer der mutigsten Filme, die wir in den letzten Jahren gesehen haben. Wir waren tief beeindruckt vom Mut der Ägypter, der Protagonisten und des Filmteams. Dabei ist ein Film entstanden, der zurückschaut, um den Blick nach vorne zu öffnen. Al midan zeigt, dass der Einsatz und die Entschlossenheit der Ägypter nicht vergeblich war: Sie haben gelernt, gegen jedes System aufzustehen, das sie unterdrückt, und ihre Würde einzufordern.

Jurymitglieder 2014
Regina Ziegler
Ines Wildhage
Melika Foroutan

CINEMA fairbindet ist ein entwicklungspolitischer Sonderpreis, der seit 2011 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Rahmen der Berlinale vergeben wird. Dieser Preis zeichnet einen herausragenden Spiel- oder Dokumentarfilm aus, der durch cineastische Kreativität begeistert. Der preisgekrönte Film setzt globale Themen der Entwicklungspolitik und der Menschenrechte so in Szene, dass er den interkulturellen Dialog fördert und das Publikum ermutigt, ihre Blickwinkel und Ansichten zu überdenken. Mit einer bundesweiten Roadshow wird der Gewinnerfilm auch für ein breites Publikum zu sehen sein.

Preisträger 2014

Concerning Violence
von Göran Hugo Olsson

Jurybegründung
Durch die Verbindung von Frantz Fanons historischem Text über Kolonialismus, eindrucksvoll gesprochen von Lauryn Hill, mit einzigartigem Archivmaterial entsteht ein überzeugender und poetischer aktueller Film.
Der Regisseur hat ein beeindruckendes Werk geschaffen, indem er komplexe theoretische Ideen in kinematographische emotionale Erfahrung umsetzt.
Er eröffnet uns zugleich überraschende Erkenntnisse über die heutige Welt.
Der faszinierende Film zeigt uns, dass Gewalt weiterhin eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung ist.

Jurymitglieder 2014
Ernst Szebedits
Djo Munga
Rania Stephan

Eine aus drei Mitgliedern bestehende Jury vergibt den Heiner-Carow-Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst an einen Dokumentar-, Spiel- oder Essayfilm der Sektion Panorama. Der Preis wird von der DEFA-Stiftung ausgelobt und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Filme, die sich sozialen und politischen Fragen der Gegenwart und Geschichte mit außergewöhnlichen ästhetischen Mitteln annehmen.

Preisträger 2014

Meine Mutter, ein Krieg und ich
von Tamara Trampe, Johann Feindt

Jurybegründung
Heiner Carow, sein Werk steht für radikal provozierende Subjektivität, kraftvolle und subtile Poetik, den historischen Weitblick auf heutigs Leben und für die tiefe Liebe zu seinen Protagonisten.
Meine Mutter, ein Krieg und ich, von Tamara Trampe und Johann Feindt, der Film, der heute mit dem Heiner-Carow-Preis ausgezeichnet wird, kann diese Attribute für sich beanspruchen. Die 70-jährige Regisseurin macht sich auf den Weg in das Land ihrer Geburt, in die Ukraine, damals Teil der Sowjetunion, wo sie 1942 mitten im Winter mitten im Krieg geboren wurde. Nach Gesprächen mit ihrer sehr alten Mutter in Berlin, sucht sie heute die Stätten ihrer Kindheit, letzte Verwandte dort und Kolleginnen der Mutter auf, die als Frontkrankenschwester in der Roten Armee kämpfte. Tamara Trampe sucht auch die Wahrheit über ihren Vater, den sie niemals kennenlernte.
Dieser Film hat die seltene Kraft, über seine sehr persönliche Geschichte, seine Protagonisten, Bilder und Texte in eine nicht nur historische Betrachtung zu gelangen, die einen ergreift und lange nicht in Ruhe lässt.
Ein warmherziger und gescheiter Film über die manchmal schmerzhafte Suche nach dem, was uns so sein lässt, wie wir sind. Dazu gratulieren wir Tamara Trampe und Johann Feindt.

Jurymitglieder 2014
Jan Krüger
Peter Welz
Gudrun Scherp

Forum Expanded vergibt in Kooperation mit der Allianz Kulturstiftung den Think:Film Award. Die aus drei Mitgliedern bestehende Jury zeichnet damit einen Film bzw. eine künstlerische Arbeit aus dem Programm des Forum Expanded aus, die das eigene Medium kreativ nutzt, um geopolitische Kontexte künstlerisch zu erfassen und zu reflektieren, dabei den Raum der ästhetischen Erfahrung erweitert, sowie gedankliche Perspektivwechsel anregt.

Der Preis beinhaltet einen Besuch in Berlin und Kairo mit einer öffentlichen Präsentation der ausgezeichneten Arbeit sowie ein Reisebudget von 1.000 Euro. Gastgeber sind das Arsenal – Institut für Film und Videokunst in Berlin und seine Partnerinstitution, die Cimatheque – Alternative Film Center in Kairo.

Preisträger 2014

Provenance von Amie Siegel

Leser- und Publikumspreise

Für den Panorama Publikums-Preis können alle Besucher der Berlinale mittels Stimmzetteln votieren. Der Preis wird seit 1999 verliehen und verdankt sich einer gemeinsamen Initiative des Berliner Stadtmagazins tip, des Radiosenders radioeins und des Panoramas.

Preisträger Spielfilm 2014

Difret
von Zeresenay Berhane Mehari

Preisträger Dokumentarfilm 2014

Der Kreis
von Stefan Haupt

Die Jury besteht aus zwölf Lesern der Tageszeitung „Berliner Morgenpost“. Es wird ein Spielfilm des Wettbewerbs prämiert.

Preisträger 2014

Boyhood
von Richard Linklater

Jurymitglieder 2014
Samira Abadian
Julian Baller
Christiane Burrell
Silke Ewald
Nikos Fragkou
Juliane Hélary
Guillaume Imbert
Iris Immenhausen
Severin Mahncke
Lutz-Peter Schmitz
Nina Steko
Harriet Wollenberg

Seit der Berlinale 2007 beruft auch der „Tagesspiegel“ eine Leserjury. Sie besteht aus neun Mitgliedern, die in einem Ausschreibungsverfahren ermittelt werden. Der Leserpreis des Tagesspiegel geht an den besten Film des Forums.

Preisträger 2014

Zamatoví teroristi (Velvet Terrorists)
von Pavol Pekarčík, Ivan Ostrochovský, Peter Kerekes

Jurybegründung
Der Preis der Tagesspiegel-Leserjury geht an Zamatoví teroristi (Velvet Terrorists) für seinen augenzwinkernden Umgang mit einem brisanten Thema. Der Film porträtiert drei denkbar unterschiedliche Charaktere in der ehemaligen Tschechoslowakei, drei Rebellen am Rande des Terrorismus. Seine besonders gelungene Überlagerung von Fiktion und Dokumentarischem hat uns überzeugt.

Jurymitglieder 2014
Holger Beisitzer
Nadine Funke
Sibylle Haas
Jutta Liesen
Therese Mausbach
Cornelia Raakow
Iven Romanow
Hans-Wilhelm Sierth
Woon-Mo Sung

Jury-Betreuung: Angela Hanawald

Die Jury, die sich aus sieben Lesern der „Siegessäule“, einem schwul-lesbischen Berliner Stadtmagazin, zusammensetzt, sichtet Filme aller Sektionen, die in einem schwul-lesbischen Kontext stehen. Der Leserpreis wird an einen Langfilm verliehen und ist mit 1.000 Euro dotiert.

Preisträger 2014

52 Tuesdays
von Sophie Hyde

Jurybegründung
An 52 Dienstagen zeigt der Film die Vielfalt verschiedener Lebensrealitäten und die Entwicklung der Figuren in lebensbejahender Weise, ohne dabei zu werten.

Jurymitglieder 2014
Niklaus Gruntz
Patrick Lange
Donald Ilte
Edwige Bernanoce
Ins A Kromminga
Katrin Öberg
Manuel Stotzka

Preise Berlinale Co-Production Market & Berlinale Talents

ARTE vergibt seit 2011 den mit 6.000 Euro dotierten ARTE International Prize an eins der für den Berlinale Co-Production Market ausgewählten Projekte.

Preisträger 2014

Emir Baigazin aus Kasachstan
Für The Wounded Angel, produziert von Kazakhfilm JSC, Kasachstan.

Der Talent Project Market bietet ca. zehn an Berlinale Talents teilnehmenden Produzenten und Regisseuren die Möglichkeit, ihr Projekt potentiellen Koproduzenten und Finanziers im Berlinale Co-Production Market vorzustellen. Seit 2004 wird der mit 10.000 Euro dotierte VFF Talent Highlight Pitch Award im Rahmen des Talent Project Market von der VFF - Verwertungsgesellschaft für Film- und Fernsehproduzenten gestiftet. Eine internationale Jury vergibt den Preis an das erfolgversprechendste Projekt mit den größten Aussichten auf Produktionsrealisierbarkeit und Herstellung als Filmwerk.

Preisträger 2014

Bavo Defurne aus Belgien
Für Souvenir

Das Sound Studio ist ein Hands-on Programm für alle an Berlinale Talents teilnehmenden Sound Designer und Filmkomponisten. Es beschäftigt sich in Workshops, Case Studies und Präsentationen praktisch und theoretisch mit den Möglichkeiten der Tongestaltung im Film und reflektiert die Wichtigkeit und inhaltliche Präsenz der Tonebene im Bereich Sound Design und Score. Die Teilnehmer des Sound Studios bekamen 2014 die Chance, das Sounddesign für einen Policy Trailer für Dolby® Atmos zu kreieren, der international in Dolby®-Atmos-Kinos eingesetzt werden soll. Hierzu wird der Gewinner zu Dolby® nach Wootton Bassett in England eingeladen, um die Tonmischung in Dolby® Atmos zu vollenden.

Preisträger 2014

Yulia Glukhova (Russische Föderation)