Berlinale: Preise Unabhängige Jurys


Preise von unabhängigen Jurys

Als unabhängig gelten Jurys, die ihre Preise im Namen externer, vom Festival unabhängiger Organisationen und Institutionen vergeben. Das hohe Qualitätsniveau und die Vielfalt im Festival-Programm laden dazu ein, sich kritisch mit dem Medium auseinanderzusetzen und mit einem eigenen Werturteil Akzente zu setzen. Dementsprechend vergeben die unabhängigen Jurys ihre Preise nach unterschiedlichen Kriterien, je nach dem speziellen Anliegen, das sich mit der Auszeichnung verbindet.

Seit 1992 sind die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen - Interfilm und Signis - durch eine aus sechs Mitgliedern bestehende gemeinsame ökumenische Jury vertreten. Die Jury vergibt ihren Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb, sowie je einen mit 2.500 Euro dotierten Preis für einen Film aus der Sektion Panorama und aus dem Programm des Forums.

Die Jury ehrt mit den Preisen Filmschaffende, die in ihren Filmen ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die es in ihren Filmen schaffen, die Zuschauer für spirituelle, menschliche und soziale Werte zu sensibilisieren.

Die Jurys der „Fédération Internationale de la Presse Cinématographique“ (FIPRESCI), des internationalen Verbands der Filmkritik, sichten Filme aus dem Programm des Wettbewerbs und in den Sektionen Panorama und Forum. Pro Sektion wird ein Preis für den besten Film vergeben.

Die Jury der „Gilde deutscher Filmkunsttheater“ setzt sich aus drei Juroren zusammen, die Kinobetreiber und Mitglieder der Gilde sind. Sie vergibt ihren Preis an einen Film des Wettbewerbs.

Für die „Confédération Internationale des Cinémas D´Art et Essai" (C.I.C.A.E.), den Internationalen Verband der Filmkunsttheater, sind zwei Jurys auf der Berlinale tätig: eine vergibt einen Preis an einen Film des Panoramas, eine kürt einen Film des Forums.

Das „Label Europa Cinemas“ wurde auf dem Filmfestival in Cannes 2003 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel der Initiative ist die Förderung europäischer Filme, ihres Verleihs und ihrer Wahrnehmung beim Publikum und in den Medien. Es wird jeweils ein europäischer Film der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes und seit 2004 auch der Venice Days in Venedig mit dem Label durch eine Jury von fünf Mitglieds-Kinobetreibern ausgezeichnet. 2005 wurde diese Auszeichnung zum ersten Mal auf der Berlinale vergeben, und zwar an einen europäischen Film des Panoramas.

Der Teddy Award, der bedeutendste queere Filmpreis der Welt, ist eine gesellschaftlich engagierte politische Auszeichnung, die Filmen und Personen zugute kommt, die queere Themen auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene kommunizieren und somit einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten.

Der Preis wird im Rahmen der Berlinale in den Kategorien Bester Spielfilm, Bester Dokumentar-/Essayfilm und Bester Kurzfilm sowie als Special Jury Award vergeben. Filme aus allen Sektionen der Internationalen Filmfestspiele Berlin konkurrieren jedes Jahr um die Teddy Awards.

Im elften Jahr der Sektion Perspektive Deutsches Kino rief die Berlinale 2012 den von Glashütte Original gestifteten „Made in Germany - Förderpreis Perspektive“ ins Leben. Das mit 15.000 € dotierte Stipendium zur Unterstützung von jungen deutschen Regisseuren/-innen bei der Projekt-, Stoff- und Drehbuchentwicklung geht an ein Regietalent der Perspektive Deutsches Kino. Teilnahmeberechtigt sind alle Regisseure/-innen, die bei der vergangenen Berlinale einen Film im Programm der Perspektive hatten.
Siehe auch Made in Germany – Förderpreis Perspektive

Seit 2004 wird der Preis „DFJW-Preis Dialogue en perspective“ in der Sektion Perspektive Deutsches Kino verliehen. Bereits zum zehnten Mal ist das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) der Stifter des „DFJW-Preis Dialogue en perspective“, dotiert mit 5.000 €. Der Preis ist das Ergebnis eines interkulturellen filmischen Diskurses junger Menschen aus drei Ländern: Frankreich, Deutschland und ein jährlich wechselndes Gastland.

Der Preis wird an einen Film verliehen, der es vermag, kritische Jugendliche der drei Nationen gleichermaßen zu beeindrucken. Die Jury besteht aus sieben Mitgliedern und einem Jurypräsidenten/ einer Jurypräsidentin. Die Jurymitglieder werden mittels einer öffentlichen Ausschreibung vom Preisstifter ausgewählt. Die Jurypräsidentin oder der -präsident sind Persönlichkeiten, die sich für einen filmischen Dialog zwischen Deutschland und Frankreich engagieren. Diese Jury ist die einzige auf der Berlinale, deren Zusammensetzung öffentlich ausgeschrieben wird.
Siehe auch DFJW-Preis Dialogue en perspective

Die aus drei Mitgliedern bestehende Jury vergibt den Caligari-Filmpreis an einen Film des Forums. Der Preis wird vom „Bundesverband kommunale Filmarbeit“ und der Zeitschrift „film-dienst“ gestiftet. Er ist mit 4.000 Euro dotiert, wobei die eine Hälfte an den Regisseur des Films geht, die andere den Verleih fördert.

Die Jury besteht aus neun Mitgliedern, die Filme aus allen Sektionen sichten. Der Preis wird in Form einer Bronzeplastik von Otmar Alt verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Friedensfilmpreis steht unter Schirmherrschaft der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs / IPPNW. Er wird getragen von der Friedensinitiative Zehlendorf, der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Internationalen Auschwitz Komitee und der IPPNW.

Die deutsche Sektion von Amnesty International verlieh auf der Berlinale 2005 erstmalig den Amnesty International Filmpreis. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Jury sichtet Filme der Sektionen Wettbewerb, Panorama, Forum und Generation und richtet dabei ein besonderes Augenmerk auf Dokumentationen. Ziel des Preises ist es, die Aufmerksamkeit von Fachbesuchern und breitem Publikum auf das Thema Menschenrechte zu lenken und Filmemacher dazu zu ermutigen, sich dieses Themas verstärkt anzunehmen.

Eine aus drei Mitgliedern bestehende Jury vergibt den Heiner-Carow-Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst an einen Dokumentar-, Spiel- oder Essayfilm der Sektion Panorama. Der Preis wird von der DEFA-Stiftung ausgelobt und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Filme, die sich sozialen und politischen Fragen der Gegenwart und Geschichte mit außergewöhnlichen ästhetischen Mitteln annehmen.

Forum Expanded vergibt in Kooperation mit der Allianz Kulturstiftung den Think:Film Award. Die aus drei Mitgliedern bestehende Jury zeichnet damit einen Film bzw. eine künstlerische Arbeit aus dem Programm des Forum Expanded aus, die das eigene Medium kreativ nutzt, um geopolitische Kontexte künstlerisch zu erfassen und zu reflektieren, dabei den Raum der ästhetischen Erfahrung erweitert, sowie gedankliche Perspektivwechsel anregt.

Der Preis beinhaltet einen Besuch in Berlin und Kairo mit einer öffentlichen Präsentation der ausgezeichneten Arbeit sowie ein Reisebudget von 1.000 Euro. Gastgeber sind das Arsenal – Institut für Film und Videokunst in Berlin und seine Partnerinstitution, die Cimatheque – Alternative Film Center in Kairo.

Leser- und Publikumspreise

Für den Panorama Publikums-Preis können alle Besucher der Berlinale mittels Stimmzetteln votieren. Der Preis wird seit 1999 verliehen und verdankt sich einer gemeinsamen Initiative des Berliner Stadtmagazins tip, des Radiosenders radioeins und des Panoramas.

Die Jury besteht aus zwölf Lesern der Tageszeitung „Berliner Morgenpost“. Es wird ein Spielfilm des Wettbewerbs prämiert.

Seit der Berlinale 2007 beruft auch der „Tagesspiegel“ eine Leserjury. Sie besteht aus neun Mitgliedern, die in einem Ausschreibungsverfahren ermittelt werden. Der Leserpreis des Tagesspiegel geht an den besten Film des Forums.

Die Jury, die sich aus sieben Lesern der „Siegessäule“, einem schwul-lesbischen Berliner Stadtmagazin, zusammensetzt, sichtet Filme aller Sektionen, die in einem schwul-lesbischen Kontext stehen. Der Leserpreis wird an einen Langfilm verliehen und ist mit 1.000 Euro dotiert.

Preise Berlinale Co-Production Market & Berlinale Talents

ARTE vergibt seit 2011 den mit 6.000 Euro dotierten ARTE International Prize an eins der für den Berlinale Co-Production Market ausgewählten Projekte.

Der Talent Project Market bietet ca. zehn an Berlinale Talents teilnehmenden Produzenten und Regisseuren die Möglichkeit, ihr Projekt potentiellen Koproduzenten und Finanziers im Berlinale Co-Production Market vorzustellen. Seit 2004 wird der mit 10.000 Euro dotierte VFF Talent Highlight Pitch Award im Rahmen des Talent Project Market von der VFF - Verwertungsgesellschaft für Film- und Fernsehproduzenten gestiftet. Eine internationale Jury vergibt den Preis an das erfolgversprechendste Projekt mit den größten Aussichten auf Produktionsrealisierbarkeit und Herstellung als Filmwerk.

Das Sound Studio ist ein Hands-on Programm für alle an Berlinale Talents teilnehmenden Sound Designer und Filmkomponisten. Es beschäftigt sich in Workshops, Case Studies und Präsentationen praktisch und theoretisch mit den Möglichkeiten der Tongestaltung im Film und reflektiert die Wichtigkeit und inhaltliche Präsenz der Tonebene im Bereich Sound Design und Score. Die Teilnehmer des Sound Studios bekamen 2014 die Chance, das Sounddesign für einen Policy Trailer für Dolby® Atmos zu kreieren, der international in Dolby®-Atmos-Kinos eingesetzt werden soll. Hierzu wird der Gewinner zu Dolby® nach Wootton Bassett in England eingeladen, um die Tonmischung in Dolby® Atmos zu vollenden.