Die Kunst des kurzen Films ist die Konzentration auf den Augenblick.
Ein Beispiel: Der Film
impossible exchange, ein Video-Art-Projekt aus dem Libanon, ist ein dokumentarisches Fragment, das philosophisch gedeutet wird. Ein minimales Moment wird durch konjugiert, so dass es die kleine Szene übertragbar werden lässt auf Anderes - im Kleinen das Große gespiegelt. Leben.
Ein weiterer Aspekt: impossible exchange spielt mit Schrift im Film und erzählt so unmittelbar von dem, was dem Filmemacher im Kopf vorgeht.
Die Libanesen verfügen über eine ganz eigene Video-Kunst, für die sie weltweit bekannt sind. impossible exchange beweist, dass das Produktionsbudget nicht unmittelbar die Qualität der Inhalte bestimmt. Der Film kostet vor allem Zeit und Gedanken. Unabhängig von der Höhe der Finanzierung entstehen tolle Arbeiten. Skizzen, die anregen, anregen zum Weitermachen, Denken. Das ist eine mögliche Quintessenz, die man aus den verschiedensten Filmen mitnehmen kann.
Erotic Fragments No. 1,2,3 aus Thailand und Frankreich besticht durch seine Idee und die Einfachheit in seiner Umsetzung. Anucha Boonyawatana filmt drei digitale Postkarten: Es sind nicht die berühmten Tempel oder andere touristische Orte, die motivgebend sind, es sind die Orte, an denen Bewegung und Veränderung passiert, drei Gänge, die in Ausschnitten von einem gelebten Heute erzählen. Als konzeptuellen Film hatte das Rüdiger Neumann in den 1980er Jahren für die BRD angelegt, als er nach dem Zufallsprinzip durch die Republik gereist ist, um seiner Freundin aus den USA ein Bild zu schenken von einem realistischen Damals - Archiv der Blicke.
Der Film geht im Kopf des Zuschauers auf verschiedenste Art und Weise weiter...
Ich finde, dass viele Filme nach einer moralischen Haltung und einer Position des Zuschauers verlangen.
Mah-Chui (Anesthesia) ist für mich so ein Film. Als die Hauptfigur - eine junge Krankenschwester - beobachtet, wie ein Arzt im Krankenhaus hilflose, narkotisierte Frauen vergewaltigt, will sie sofort eingreifen. Sie berichtet es ihren Kolleginnen, um gemeinsam zur Polizei zu gehen. Doch sie haben Einwände. Im Folgenden trifft die Protagonistin die Frauen, die vergewaltigt wurden und stürzt sie und sich damit ins Unglück. Ein absolut tragischer Moment entsteht, als eines der Opfer bekennt, dass sie seit Jahren auf ein Kind warte. Sie hätte sich gewünscht, nie von ihrer Vergewaltigung erfahren zu haben, so dass sie das Kind hätte behalten können. Und so bleibt das gesamte soziale Umfeld untätig – aus unterschiedlichen Gründen. Die Kolleginnen wollen die Polizei nicht informieren, weil sie das Krankenhaus erpressen, und die Opfer können nicht noch mehr Demütigungen ertragen. Also muss die Hauptfigur noch einen Schritt weiter gehen. Es reicht nicht, dass sie den Videobeweis bereits besitzt.