Die drei Filme blicken auf sehr unterschiedliche Art und Weise in die Vergangenheit:
Sterben nicht vorgesehen ist eindeutig eine Liebeserklärung und ein Abschiednehmen des Filmemachers von seinem Vater. Ein sehr persönlicher, sehr schöner Film, der mit verschiedenen Materialien spielt. Fotos aus der Vergangenheit und Erinnerungen, die animiert wurden, werden in diesem Film verwoben.
Rodicas erzählt von zwei über 80jährigen Frauen, die beide aus Rumänien immigriert sind, sich aber erst viele Jahre später in Australien kennengelernt haben. Beide heißen Rodica und sind dicke Freundinnen. Die Filmemacherin ist die Enkelin der einen und versucht etwas über das Leben der alten Damen herauszufinden. Obwohl die beiden Rodicas sehr wenig über ihre Vergangenheit erzählen, erfährt man unglaublich viel darüber, wer sie sind und was sie geformt hat. Also auch ein sehr persönlicher, charmanter Film. Und lustig. Wie Sterben nicht vorgesehen thematisiert er das Abschiednehmen, denn eine der Protagonistinnen ist kurz nach den Dreharbeiten verstorben. Trotzdem sind dies wahrscheinlich die Filme im diesjährigen Programm, die am leichtfüßigsten daherkommen.
This Ain´t California wiederum schaut auf eine ganz andere Art zurück. Wir haben in der Perspektive immer wieder Filme mit einem DDR-Bezug gezeigt. This Ain´t California hat mich auf ganz besondere Weise beeindruckt. Der Film erzählt in wunderbaren, alten Super-8-Aufnahmen von den sogenannten Rollbrettfahrern und zeigt uns eine DDR, wie ich sie noch nie im Kino gesehen habe. Ein wildes, buntes Land. Die drei Protagonisten sind wahnsinnig gut drauf und total außer der Reihe – mit außer der Reihe meine ich, dass sie nicht angepasst sind. Sie sind keine Rebellen im eigentlichen Sinne, die sich gegen das System auflehnen oder große Reden schwingen, sondern ihre Rebellion besteht darin, dass sie etwas machen, was sonst keiner macht. Dabei rufen sie ein unheimliches Gefühl von Freiheit hervor.
Preise und Gespräche
2012 wird zum ersten Mal der von Glashütte Original gestiftete Preis „Made in Germany – Förderpreis Perspektive“ verliehen. Kannst Du etwas zum Hintergrund dieses Preises sagen?
Die Idee hinter dem Preis ist es, die Talente, die ihre Filme in der Perspektive bereits präsentiert haben, weiter zu fördern, sie bei ihrem nächsten Projekt zu unterstützen und zu motivieren. Deshalb haben die Regisseure der Perspektive 2011 die Möglichkeit bekommen, ein Treatment einzureichen. Die drei Jurymitglieder Thomas Arslan, der mehrmals mit seinen Filmen auf der Berlinale vertreten war, Anna Brüggemann, Autorin und Schauspielerin auch von/in Perspektive-Filmen, und Gian-Piero Ringel, Produzent von Wim Wenders Pina, lesen die Treatments und suchen ein Projekt aus. Der Autor des besten Treatments erhält bei der diesjährigen Eröffnung der Sektion eine Förderung von 15.000€. Die Summe ist für die Drehbuchentwicklung eines Spielfilms bzw. für die Recherchearbeit zu einem Dokumentarfilm gedacht. Wir sind sehr gespannt.
Außerdem laden wir zum ersten Mal einige Regisseure der diesjährigen Perspektive zu einstündigen Gesprächen in die Glashütte Lounge ein, um ihre Filme und aktuelle Themen rund um den deutschen Film vor Publikum besprechen zu können.
Und zum Abschluss der Berlinale wird unser Hauptpreis „Dialogue en perspective“ - gestiftet vom Deutsch-Französischen Jugendwerk – an den besten Film des diesjährigen Perspektive-Programms verliehen. Den Juryvorsitz hat Jan Henrik Stahlberg, der mit seinem Film Muxmäuschenstill schon 2004 in der Perspektive und danach mehrmals im Panorama war.