Gezeigt werden 31 Filme in den fünf Kapiteln „Rhythm and Laughter“, „‚Unheimlich‘ – The Dark Side“, „Light and Shadow“, „Variations“ und „Know Your Enemy“. Unter der Überschrift „Rhythm and Laughter“ sind Filme versammelt, die an Tonfilmoperette, Musikfilm und Filmkomödie anknüpfen – Genres des Weimarer Kinos, die maßgeblich von jüdischen Filmschaffenden geprägt wurden. Zu entdecken ist hier (Österreich/Ungarn 1934) von Hermann Kosterlitz. In der ausgeprägt sozialkritischen Filmkomödie mit Anklängen an die Tonfilmoperette spielt Francisca Gaál eigenwillig und berührend zugleich die Titelrolle, eine „Hosenrolle“. Eine Wiederentdeckung ist der erst jüngst restaurierte niederländische Film Komedie om Geld (Komödie um Geld, 1936) von Max Ophüls. Kameramann war der spätere Oscar-Preisträger Eugen Schüfftan. In der Retrospektive darf Billy Wilder nicht fehlen, dessen Film Some Like It Hot (Manche mögen’s heiß, USA 1959) im amerikanischen Kontext den subversiven Humor und die frivole Travestie des Weimarer Kinos aufgreift.
„‚Unheimlich‘ – The Dark Side“: Die dunkle Seite von Psyche und Gesellschaft war das Thema von beängstigend dichten Kriminalfilmen der dreißiger Jahre. Ihre Einflüsse prägten im Amerika der Nachkriegszeit das Genre des Film noir aus, die Regisseure waren zumeist deutsche Filmemigranten. So drehte Robert Siodmak noch im Pariser Exil den Film Pièges (Der Fallensteller, Frankreich 1939).
Unter dem Titel „Variations“ sind Remakes des Weimarer Kinos zu sehen sowie Filme, die ihre Vorbilder variieren. Hierzu zählt beispielsweise Joseph Loseys 1951 uraufgeführte Neuverfilmung von Fritz Langs gleichnamigem Klassiker M (1931). Und First a Girl (GB 1935) von Victor Saville basiert auf Reinhold Schünzels Viktor und Viktoria (Deutschland 1933).
„Know Your Enemy“ stellt Filme vor, die gegen das NS-Regime Position bezogen. Ernst Lubitschs Klassiker To Be or Not to Be (Sein oder Nichtsein, USA 1942) steht dabei neben Ludwig Bergers fast unbekanntem Ergens in Nederland(Niederlande 1940). Das Beziehungsmelodram thematisiert die drohende deutsche Invasion, die im Mai 1940 tatsächlich erfolgte. Casablanca (USA 1942) von Michael Curtiz, herausragend besetzt mit fast ausnahmslos europäischen Schauspielern, ist unbestritten der populärste aller Emigranten-Filme.
„The Weimar Touch“ ist die erste Retrospektive, die von der Deutschen Kinemathek gemeinsam mit dem Museum of Modern Art in New York kuratiert wird. Die Mitglieder der Auswahlkommission sind Rainer Rother (Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek), Rajendra Roy (Chief Curator of Film am MoMA), Laurence Kardish (ehemaliger Senior Curator of Film am MoMA), Connie Betz (Deutsche Kinemathek, Programmkoordinatorin Retrospektive), Hans-Michael Bock (CineGraph, Hamburg).
Die Filmvorführungen der Retrospektive finden im CinemaxX am Potsdamer Platz und im Zeughauskino statt. Das Programm wird ergänzt durch Veranstaltungen in der Deutschen Kinemathek. Zur Retrospektive erscheint eine Broschüre. Die Filmreihe der Retrospektive wird ab April 2013 auch im MoMA New York gezeigt werden.