Starke Beiträge in den Sektionen
Generationenkonflikte waren - wie schon 2011 – ein zentraler Topos der Filme im Forum. Des Weiteren widmete sich die Sektion den blinden Flecken der globalen Bildpraxis, ein Schwerpunkt lag auf der Tsunami- und anschließenden atomaren Katastrophe in Fukushima. Drei Filme von drei unterschiedlichen Regisseuren, die sich jeweils auf ihre Weise dem unsichtbaren Herzen des Super-GAUs näherten. Lob erntete vor allem die kleine Reihe, die sich mit der fast ausgelöschten kambodschanischen Kinematographie aus den 1960ern und den frühen 70ern widmete. Das Team um Christoph Terhechte hatte es geschafft, drei der Werke in vorführbaren Kopien nach Berlin zu bringen – sie wurden stellvertretend für eine ganze Generation kambodschanischer Filmemacher, die die Roten Khmer bei ihrer Machtübernahme nahezu annihiliert hatten, gezeigt. Andreas Busche schrieb in der tageszeitung am 16.02.2012: „Was sich auf der Leinwand abspielte, war an Ideenreichtum, folkloristischer Merkwürdigkeiten und im allerschönsten Sinne primitiver Fantasterei nicht zu überbieten […]. Als spätnachts die Lichter im Kino wieder angingen, fühlten wir uns, als seien wir selbst gerade aus einem Traum erwacht.“ Das Lob war umso schöner, als das kambodschanische Kino jener Tage den Anspruch nach schneller und präziser Berichterstattung, nach politischem Engagement, konsequent verweigerte.
Und mit Ang Babae sa Septic Tank (The Woman in the Septic Tank) bewies das Forum viel Selbstironie: Was braucht ein philippinischer Film, um bei der Berlinale gezeigt zu werden? Eine Müllkippe, verhungernde Kinder und eine Missbrauchsgeschichte. Gesagt, getan und gern lud das Forum das Team um Regisseur Marlon N. Rivera dann tatsächlich nach Berlin ein. „Aufs Korn genommen wird vor allem ein vom globalen Festivalzirkus betriebener Ausbeutungs-Mechanismus, der durchaus dazu in der Lage ist, die Bildproduktion eines – weltfilmwirtschaftlich gesehen – randständigen Landes zu steuern. Und zwar so lange, bis das nächste „junge, wilde Kino“ in einem entlegenen Weltwinkel entdeckt wird und die Karawane weiterzieht“ (Alexandra Seitz, Berliner Zeitung, 13.02.2012).
Die Generation ging guter Dinge in ihr 35. Jahr und Sektionsleiterin Maryanne Redpath freute sich auf das zweite Jahr in der eigenen Heimstätte, dem Haus der Kulturen der Welt, so erfolgreich war die Premiere im Jahr 2011 verlaufen. Die Filme erzählten vom Aufbrechen aus starren Strukturen und den Wegen zu sich selbst – die zuweilen auch über die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln gefunden werden konnten.