Ein Jahr der Stars
Richard Widmark, Jean Marais, Curd Jürgens, Vittorio de Sica, Yvonne de Carlo, die junge Sophia Loren und vor allem und über allen: Gina Lollobrigida, von der das Publikum kaum genug bekommen konnte. Publikumsaufläufe vor den Berlinale-Hotels und Spielstätten prägen das Bild des Festivals in diesem Jahr. Die Lust des Publikums auf die Stars und seine ungenierte Art, Begeisterung zu zeigen, werden zu Markenzeichen der Berlinale.
Wieder werden die Bären vom Publikum vergeben, Diesmal machen Schauspielerfilme das Rennen. Erneut bleiben einige Filme unbeachtet, die erst nachträglich von der internationalen Kritik entdeckt werden: Magnificent Obsession von Douglas Sirk und Akira Kurosawas Ikiru gehören dazu. Sie passen nicht in den Festivalrummel. Aber auch Rummelplatz der Liebe, eine von Kurt Neumann inszenierte deutsch-amerikanische Koproduktion, fällt beim Publikum durch und wird vor 25.000 Zuschauern bei der Premiere in der Waldbühne gnadenlos ausgepfiffen.
Flankiert wird der Misserfolg der deutschen Filme auch dieses Jahr von den Streitigkeiten um die mangelnde Beteiligung der deutschen Filmbranche an der Vorbereitung des Festivals. Rückblickend erscheint es als ein politisches Ziel des Senats, die Kontrolle über das Festival nicht aus der Hand zu geben. Die SPIO formuliert ein Protestschreiben, nachdem keiner ihrer Vertreter in den Arbeitsausschuss berufen wurde. Dieser Beschwerde wird dann zwar nachgegeben, im gleichen Zug wird die Entscheidungsbefugnis jedoch auf den Beirat, das zweite Gremium, verlagert, in dem weiterhin die Vertreter des Senats das Sagen haben.
Der prekäre Status des Festivals
Der Ehrgeiz der politischen Seite zahlt sich jedoch für das Festival keineswegs in stabilen Finanzierungszusagen aus. Im Gegenteil: Auch 1954 wird im Vorfeld der Berlinale wieder über Etatkürzungen debattiert und sind allerlei Proteste und Memoranden Alfred Bauers vonnöten, um der Berlinale ein einigermaßen solides Budget zu erhalten – für das letztlich zu wesentlichen Teilen der Bund aufkommt, der einen kurzfristigen Zuschuss von 100.000 DM bewilligt.